Dienstag, 22. März 2011

Oft tödlich verlaufende Virusinfektion in China - von Zecken übertragen

Neuer Krankheitserreger in China

Peking – Chinesische Forscher haben ein bisher unbekanntes Virus entdeckt. Es ist vermutlich der Erreger einer im Nordosten Chinas endemischen Krankheit. Der Verlauf ist laut der Studie im New England Journal of Medicine 2011; doi: 10.1056/NEJMoa1010095) häufig tödlich. Als Überträger kommt eine in Ostasien beheimatete Zeckenart infrage.

Zur Studie: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1010095

Im Frühsommer des Jahres 2009 wurden Forscher des chinesischen Centers for Disease Control and Prevention in Peking auf eine Häufung von Erkrankungen in den Provinzen Hubei und Henan aufmerksam.

Die Patienten erkrankten akut mit sehr hohem Fieber von über 38°C und einer schweren Thrombozytopenie (Plättchen unter 100.000/mm3) für die es keinen bekannten Ursache gab. Die Erkrankung wurde deshalb “severe fever with thrombocytopenia syndrome” oder SFTS genannt. Die Patienten entwickeln eine Leukozytopenie. Etwa 30 Prozent starben an einem Multiorganversagen.

Fast alle Patienten waren Farmer aus den zumeist bewaldeten Bergregionen. Die Forscher vermuteten zunächst eine Infektion mit Anaplasma phagocytophilum, einem Bakterium, das durch Zecken übertragen wird. Doch die Tests auf Antikörper und Gene waren negativ. Schließlich gelang es Xue-Jie Yu und Mitarbeitern, ein bisher unbekanntes Virus zu entdecken. Es gehört wie das Hantavirus zu den Bunyaviren. Als Überträger kommt die Zecke Haemaphysalis longicornis infrage, die in Ostasien verbreitet ist. Antikörper und Gene des Virus wurden bei 171 von 241 Personen aus sechs Provinzen des Landes nachgewiesen, die die Falldefinition von SFTS erfüllten, dagegen in keinem Fall bei Kontrollen.

Diese hatten auch niemals Antikörper, was Folge des heftigen und unbehandelt oft tödlichen Verlauf sein könnte. Die Forscher vermuten, dass das Virus nicht neu ist, sondern schon länger in den abgelegenen ländlichen Regionen existiert.

Für eine regionale Begrenzung der Erkrankung spricht, dass es zu 5,4 Prozent bei Haemaphysalis longicornis, einer in Ostasien verbreiteten Zecke von Rindern, niemals aber bei 5.900 Mückenarten gefunden wurde. Quelle: Deutsches Ärzteblatt,
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45130/