Freitag, 25. Februar 2011

Zu früh gefreut... die alten Symptome kehren zurück. Wenig Trost. Die Übersetzung der neuen Straubinger-Studie

Monatelang war es mir richtig gut gegangen. Die Zeiträume, in denen ich ohne Antibiotika auskam wurden immer größer. Im Oktober 2010 lief ich wieder einen meiner geliebten Halb-Marathons. Alles schien auf einem guten Weg zu sein.

Seit zwei Wochen muss ich nun feststellen, dass nach und nach alle Symptome, mit denen kurioserweise meine Borreliose einst begonnen hatte, wiederkommen. Vermutlich auch, weil ich in den vergangenen Monaten viel zu viel gearbeitet habe... das Immunsystem "bedankt" sich. Vor 14 Tagen habe ich sofort wieder mit meiner "Erfolgskombination", Minocyclin und Clarithromycin, angefangen. Bislang allerdings ohne jeden Erfolg. Sonst war ich es gewohnt, dass es mir binnen weniger Tage besser ging. Nun mache ich die ungewohnte Erfahrung, dass es mit jedem Tag sogar schlimmer wird. Habe das Gefühl, die Antibiotika (zumindest diese Kombi) wirken gar nicht mehr. Nächste Woche habe ich einen Termin bei meiner Ärztin. Bin gespannt, was sie vorschlagen wird... ich bin jedenfalls ratlos... diese elenden Persister! Damit meine LeserInnen hier aber nicht nur Lamento lesen, freue ich mich, den Hinweis von Matthias aufzunehmen, der mir einen Link zu Straubingers neuer Studie schickte. Vielen Dank Matthias!

Professor Straubinger forscht seit Jahren über die Escape-Mechanismen von Borrelia burgdorferi bei Hunden. Die neueste Studie hat den etwas sperrigen Titel:
Die Metamorphose (Verwandlung) von Borrelia burgdorferi Organismen - RNA, Fett- und Proteinzusammensetzung im Zusammenhang mit der Form der Spirochäte


Borrelia burgdorferi kann sich ja nicht nur wechselnde "Mäntel" anziehen, um mit der sich dauernd verändernden Oberfläche dem Immunsystem zu entgehen sondern verändert auch immer wieder die Form, was es Antibiotika und dem Immunsystem schwer macht, eine Wirkung zu erzielen. Ich hab die Zusammenfassung der Studie mal grob übersetzt:
Straubinger et al. untersuchten, wie Borrelien ihre Form ändern und welche Zellkomponenten (Proteine, Lipide/Fette) sich während des Verwandlungsprozesses verändern. Soweit ich das verstanden habe, bildet sich aus der Zellmembran heraus eine Art Knospe, dann faltet sich der protoplasmische Zylinder im Inneren der Osp (Oberflächenprotein)-Membran. Die Lipide und Proteinzusammensetzungen verändern sich dabei nicht. Die Ribonukleinsäure bleibt erhalten. Je älter diese veränderten Formen sind, desto geringer ist ihre Antigen-Antikörper Bindung. Diese kugeligen (Zysten) Formen sind wesentlich widerstandsfähiger gegen eine widrige Umgebung (Antibiotika, Immunsystem) als die klassische Spirochätenform (korkenzieherartig). Das verhindert ihre komplette Eliminierung und lässt sie langfristig im Wirtsorganismus überleben, folgern die Wissenschaftler. Wer sich das in Englisch antun möchte. Hier der Link zum Abstract: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jobm.201000074/abstract 2003 hat Straubinger an der Uni Leipzig bereits veröffentlicht, dass sich Borrelien nur kontrollieren, aber nicht eliminieren lassen. Und bereits 1997 hat er eine umfangreiche Arbeit zur Persistenz des trickreichen Erregers veröffentlicht: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC229521/

Das alles passt leider zu den Arbeiten von Brorson et Brorson und Preac-Mursic. Und es ist das, was man nie in den Apothekenblättchen und Illustrierten liest. Was tunlichst in jeder Gesundheits-TV-Sendung verschwiegen wird. Wenn sich Borrelien im Organismus festgesetzt haben, wird man sie - ähnlich wie Herpesviren - nie wieder los. Sie können sich nahezu in jede Zelle bohren und überall Entzündungen auslösen. So sieht's wohl aus und das sind keine erfreulichen Aussichten für uns unfreiwillige Wirte.

Nach meinem Arzttermin werde ich mal berichten, welche therapeutische Strategie als nächstes angegangen wird.