Donnerstag, 7. Oktober 2010

Wie geht es mit meiner Ärztin weiter? Krankes Abrechnungssystem!

Wie sicher alle bemerkt haben, war längere Zeit hier "Funkstille". Das lag zum Einen daran, dass ich beruflich sehr eingespannt war, zum Anderen aber auch daran, dass ich viel telefoniert und recherchiert habe. Wie geht es nun mit meiner Ärztin weiter?

Sie hat in der Vergangenheit bereits Regresszahlungen leisten müssen. Das heißt, sie hat praktisch noch Geld mitgebracht, um ihre Patienten behandeln zu können. Es ist unfassbar! Inzwischen hat sie sich juristische Unterstützung genommen und wird den Weg bis vors Sozialgericht antreten. Sie hofft, ein Urteil erzielen zu könnnen, das - im Sinne der Ärzte, die chronische Borreliose behandeln - dann Signalwirkung haben könnte.

Wir Patienten können nur die Daumen drücken und den Hut ziehen, vor soviel Mut, Risikobereitschaft, Mitmenschlichkeit und ärztlicher Ethik!

Alle Ärzte, die ihre Patienten bereits nach einer Minute ungeduldig unterbrechen, ihnen IGEL-Leistungen aufschwatzen wollen und sie nach 5 Minuten wieder durch die Tür schieben, sollten beschämt zu Boden blicken.

Inzwischen habe ich etliche Veröffentlichungen gefunden, die zeigen, dass per Regressforderungen Existenzen vernichtet werden. Was ist mit Ärzten, die mit ihrer Praxis eine Familie ernähren? Wo kein Zweitverdiener das Notwendigste mit absichert? Einige Beispiele findet Ihr hier:

http://www.faz.net/s/Rub7F74ED2FDF2B439794CC2D664921E7FF/Doc~EE356FA200549462AA0975743391D97CA~ATpl~Ecommon~Scontent.html


Kaum zu fassen, der Allgemeinarzt Dr. Christian Riethe sollte kurz vor Weihnachten 35.000 Euro zahlen. Er habe im Jahr 2007 zu viele Medikamente verschrieben. Das ist so, als müsste die Feuerwehr ihr eigenes Löschwasser bezahlen“, sagt der Arzt, der auf eine 80-Stunden-Woche kommt. http://www.schwaebische.de/lokales/aalen-ellwangen/bopfingen-ries_artikel,-Wenn-die-Kassen-zur-Kasse-bitten-_arid,4036065.html

160.000 Euro Regressforderungen an einen Landarzt: http://www.aerztezeitung.de/extras/druckansicht/?sid=562156&pid=562156

Und im Ärzteblatt: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikeldruck.asp?id=61060

http://www.bild.de/BILD/regional/frankfurt/aktuell/2010/09/16/krankes-abrechnungssystem/arzt-soll-zahlen-weil-er-alle-patienten-behandelt.html

Wer von Fallpauschalen, Effizienzsteigerung und Budgets spricht, wenn er eigentlich die medizinische Versorgung Kranker meint, reduziert Kranke zu Kostenfaktoren und Ärzte zu schlichten Leistungserbringern. Hier geht es nicht mehr um Patienten oder Ärzte. Nein, das ist der Ausverkauf der Heilkunde. Die Ökonomisierung der Medizin. Es ist eine Schande!