Freitag, 13. August 2010

Kommt die bundesweite Meldepflicht für Borreliose?

Die Patientenorganisation Borreliose und FSME Bund Deutschland e. V (BFBD) hielt gestern eine Pressekonferenz in Berlin ab. Mit großem Erfolg und guter Resonanz. Ein dickes Kompliment an den BFBD! Chapeau!

Der MDR beeilte sich mit einem Kurzfilm: Forschungsrückstand bei Borreliose und Die Welt online titelt: Patientenbeauftragter kündigt Borreliose-Gesetz an. Na, Herr Zöller, da sind wir mal gespannt, gell?

Journalisten, die übrigens immer noch den Zahlen des Robert Koch Institut (RKI) glauben, ist nicht zu helfen. Seit fast zwei Jahrzehnten verbreitet das RKI stoisch und unverändert seine 40.000 - 100.000 Neu-Erkrankungen pro Jahr. Liebe Journalisten, das hat nichts mit Rechercheökonomie zu tun, sondern ist klassisches Underreporting und sträflich unterlassene Recherche. Wer alleine die Zahlen der Techniker Krankenkassen sieht, ahnt, warum dieser Blog die Worte "verschwiegene Epidemie" im Titel trägt.

Und wer heute noch etwas Gutes tun möchte: Einfach dem BFBD beitreten. Mitglied werden! Je mehr Mitglieder, desto schlagkräftiger können die Interessen von Millionen Borreliosepatienten in Deutschland vertreten werden.

Ja, Millionen - Ihr habt richtig gelesen. Wieviele Rheumatiker, CFS und MS-Patienten mögen wohl unter falscher Diagnoseflagge durch die Arztpraxen segeln? Von den Patienten, denen man kurz entschlossen das Etikett "psychsomatoforme Störung" aufklebt, ganz zu schweigen.
Tja, wir sind nicht Papst, sondern Millionen - jedenfalls laut WHO. Leider.

Sonntag, 8. August 2010

Start einer neuen Serie. Ernährung in Zeiten chronischer Entzündungen...

Die Ernährung in Zeiten chronischer Entzündungen oder, was benötigt mein borreliosegeplagter Organismus?

Ich möchte heute mit einer kleinen Reihe zum Thema Ernährung bei chronischer Entzündung - und nichts Anderes ist bei der chronischen Borreliose der Fall - starten. Dabei soll es nicht um "basische Ernährung" oder um das vielzitierte (in meinen Augen unsinnige) "Entschlacken" gehen. Auch nicht um "zuviel Säure im Körper" oder "Trennkost".

Nein, in meiner Serie geht es zunächst um Proteine bzw. um Aminosäuren, die nachgewießenermaßen und durch Studien belegt, viele positive Wirkungen im Organismus und auf das Immunsystem entfalten.

Ich selbst nehme seit mehr als zwei Jahren verschiedenste Aminosäuren zu mir. Meine CD 57-Werte sind wieder im oberen Drittel des Normalbereichs - erfahrene "Borrelianer" wissen, was mit CD57-Wert gemeint ist - alle Anderen rufen jetzt am besten mal GOOGLE auf ;-)

Selbst in Zeiten heftigster Krankheitssymptome war ich noch recht tatkräftig und nicht so müde und erschöpft, wie es von anderen chronisch an Borreliose Erkrankten häufig geschildert wird. Natürlich kann ich nicht nachweisen, dass es daran lag, dass ich jeden Tag Arginin oder Glutamin (Achtung! Nicht mit Glutamat, dem Geschmacksverstärker verwechseln!) und vieles Andere zu mir nahm und noch nehme, aber wer die Referenzen und Studien prüft, wird feststellen, dass die segensreiche Wirkung diverser Aminosäuren nicht von der Hand zu weisen ist.

Ganz wie es sich gehört, will ich heute mit A beginnen.

A wie Arginin.

Wir alle wissen, Eiweiß (Protein) wird benötigt, um die Zellen am Leben zu halten, denn die Zellen bestehen aus Protein und dieses wiederum baut sich aus 21 verschiedenen Aminosäuren auf.

Von diesen lebensnotwendigen Aminosäuren unterscheidet der Kenner die sogenannten essentiellen Aminosäuren, das sind acht lebensnotwendige, ohne die wir auf Dauer nicht überleben können und die wir nicht selbst herzustellen vermögen. Dann gibt es noch die, ja richtig, nicht-essentiellen Aminosäuren – die sind sozusagen „nice to have“ und können unter bestimmten Umständen vom Körper selbst hergestellt werden.

Arginin gehört zur Gruppe der lebensnotwendigen Aminosäuren und, Lateiner ahnen es bereits, der Name Arginin leitet sich vom lateinischen Wort für Silber, argentum, ab. Bitte fragt jetzt nicht weiter, denn ich paukte in der Schule vor allem französische Vokabeln. Doch – was man weiß, was man wissen sollte: Arginin ist besonders für die zelluläre Immunabwehr sehr wichtig.

Arginin kann die Thymusdrüse, die Produzentin der Abwehrzellen, stimulieren und dadurch die Aktivität und Anzahl der Abwehrzellen erhöhen; wie es auch generell einen positiven Einfluss auf das Immunsystem hat. Warum und wie geschieht das? Wem die Antwort „durch Umwandlung zu Stickstoffmonoxid“ zu langweilig ist, der kann sich gerne im Chemie Forum tummeln. Dort warten ungemein spannende Fragen auf Menschen, denen die Welt einfach nicht rätselhaft genug ist.

Wer sich fragen möchte, ob natürlich vorkommende Aminosäuren L-konfiguriert sind und zwangsweise auch S-konfiguriert oder ob sie auch R-konfiguriert sein können? – ist dort genau richtig. Eine spannende Frage, ich weiß – und auch wenn es nun niemanden mehr auf den Stühlen hält, so möchte ich dennoch gerne weiter über das Arginin schreiben.

Arginin regt die Bildung spezieller Immunzellen an, wirkt selbst auch zelltötend und antimikrobiell, was u. a. – sorry, das kann ich jetzt keinem ersparen – daran liegt, dass Arginin eine Vorstufe von Stickstoffmonoxid ist, das wiederum ein wichtiger Zellbotenstoff ist und Zellmembranen schnell durchdringt. Arginin unterstützt auch die Wundheilung, weil es einen positiven Einfluss auf die Kollagenbildung hat.

Für die Darmschleimhaut ist Arginin ein wahres Helferlein, denn es gibt bestimmten Zellen des Darmes die notwendige Energie. Und eine funktionsfähige Darmschleimhaut, das wissen alle, die mal Antibiotika nehmen mussten, ist für das Immunsystem außerordentlich wichtig. Ein Mangel an Arginin begünstigt also Infektionen auf verschiedene Weise.

Ja, ein wahrer Tausendsassa, dieses Arginin. Und es kann noch mehr: Arginin erweitert die Gefäße. Ein hübscher Nebeneffekt, den sich Ärzte gerne bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zunutze machen.

In der Wachstumsphase, bei Stress und bei diversen (chronischen) Krankheiten benötigt der Körper deutlich mehr Arginin, als er selbst herzustellen vermag. Will man seine zelluläre Immunantwort steigern, empfiehlt sich also durchaus die zusätzliche Zufuhr von Arginin.

Wie macht man das am besten? Ganz einfach, Ihr könnt Argininpulver und andere Präparate kaufen oder Euch Unmengen von Erd- und Haselnüssen, Weizenkeimen, Soja und Garnelen zu Gemüte führen, denn die sind ganz besonders „arginin-reich“. Jede/r also wie er/sie mag.

Arginingehalt in mg pro 100 gr. Lebensmittel – eine Auswahl
(Quelle: http://www.vitalstoff-lexikon.de/Aminosaeuren/Arginin/Lebensmittel.html)

Seehecht 070 Seezunge 140 Scholle 150
Makrele 1160 Rotbarsch 1190 Haselnüsse 2030
Barsch 1240 Sojabohnen 2200 Thunfisch 1250
Weizenkeime 2250 Sardine 1310 Mandeln 2750
Garnele 1740 Erdnüsse 3460 Lachs 1330
Huhn, Brust 1350 Linsen 2240 Sojabohnen 2360
Kalbsfleisch 1540 Rindfleisch 1540


Referenzen:
Albina, Jorge and Reichner, Jonathan. "Nitric Oxide in Inflammation and Immunity." New Horizons. Vol.3, No.1. pp. 46-64. (1995)

Brittenden, J., and others. "Nutritional Pharmacology: Effect of L-Arginine on Host Defences, Response to Trauma and Tumour Growth." Clinical Science. Vol. 86. p.123-132. (1994)

Barbul, Adrian, and others. "Arginine Enhances Wound Healing and Lymphocyte Immune Responses in Humans." Surgery. vol. 108, pp. 331-337, (August, 1990.)

Daly, John, and others. "Immune and Metabolic Effects of Arginine in the Surgical Patient." Annals of Surgery. vol. 208 No.4. pp. 512-523. (October, 1988)

Daly, John, and others. "Enteral Nutrition with Supplemental Arginine, RNA, and omega-3 Fatty Acids in Patients After Operation: Immunologic, metabolic, and clinical outcome." Surgery. Vol. 112. pp. 56-67. (July, 1992)

Kirk, Stephen J., and others. "Arginine Stimulates Wound Healing and immune Function in Elderly Human Beings." Surgery. Vol. 114, No.2. pp. 155-160. (1993)

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