Mittwoch, 13. Januar 2010

Der Impfstoff LYMErix und die Impfopfer


Als GlaxoSmithKline seinen Borreliose-Impfstoff nach großangelegten klinischen Studien auf den US-Markt warf, musste zunächst die US-Behörde für Lebensmittelüberwachung und Arzneimittelzulassung (FDA) den Impfstoff zulassen. Das tat sie. Der Impfstoff war angeblich sicher und verzeichnete keine nennenswerten Nebenwirkungen.

Die Wahrheit sah anders aus!

Dank des Freedom of Information Act, einem Gesetz, das die US-Behörden zwingt, den Bürgern ihre Dokumente zur Verfügung zu stellen, konnte ich nun online die FDA-Akten und Protokolle recherchieren.

Unter anderem gab es höchst spannende Konferenzen mit den Vertretern des Impfstoffherstellers - hier die Agenda: http://www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/01/agenda/3680a2.pdf als auch ein Protokoll über die Geschichten der Impfopfer, das Interessierte hier nachlesen können: http://www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/01/briefing/3680b2_17.pdf

Interessant ist, dass die FDA noch im Januar 2002 behauptete, es gäbe keinen Grund zu glauben, dass LYMErix kein sicherer Impfstoff sei. Einen Monat später nahm Glaxo den "sicheren" Impfstoff still und leise vom Markt und begann mit der Entwicklung des LYMErix Europe.

Parallel zu LYMErix gab es noch einen anderen Borreliose-Impfstoff: ImuLyme - Hersteller: Pasteur Merieux Connaught (Aventis-Vorläufer). Deren Studienleiter hatten ähnlich ernstzunehmende Nebenwirkungen entdeckt, wie sie die Impfopfer von LYMErix später schilderten. Pasteur stoppte ImuLyme. Glaxo wähnte sich als Sieger auf dem Markt (Feld) des Borreliose-Impfstoffs. Interessanterweise hatte seinerzeit eine andere Forscherin ein Patent auf ein deutlich sichereres OspA-Vakzin angemeldet. Auf eine Anfrage der Lyme Disease Association, was daraus würde, antwortete die FDA sinngemäß: Theoretische Bedenken können Forscher anregen, etwas zu entwickeln, von dem sie glauben, dass es theoretisch sicherer sei.

Aha!


Montag, 11. Januar 2010

Nachtrag: Anfrage wg. finanzieller Verflechtungen

Ich dachte, ich stelle hier auch noch die Original-Anfrage des US-Senators ein. Wo liest man von solchen Aktionen in deutschen Landen? Damit scheint sich bislang noch kein Politiker hervorgetan zu haben.

Weitere Verzögerung wg. Überarbeitung der IDSA-Leitlinien

Wie ich heute morgen meinem Under our skin-Blog entnehmen konnte, wird es unklar sein, wann die Anhörungskommission zu einer Entscheidung kommen wird, ob und bis wann die IDSA-Leitlinien überarbeitet werden müssen, oder nicht.

Die Pressesprecherin Diana Olson, sagt, dass sich das entsprechende Gremium zwar mehr als ein Dutzend Mal im vergangenen Jahr getroffen habe und man bemüht sei, die Entscheidungen so früh wie möglich im Neuen Jahr bekannt zu geben, eine Überarbeitung der Leitlinien würde jedoch mehrere Monate bis zu einem Jahr oder mehr benötigen.

Inzwischen hat ein weiterer Senator mehr als 30 medizinische Gesellschaften auf Ihre Verflechtungen mit der Industrie befragen lassen; Näheres kann man hier nachlesen: http://www.policymed.com/2009/12/letters-from-grassley-questions-33-medical-groups-on-financial-support-from-industry.html

Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Lyme-Borreliose-Neuerkrankungen in den USA um über 30 Prozent gestiegen - siehe: http://underourskin.com/blog/?p=337 und Senator Blumenthal kandidiert nun für den US-Kongress.

Wie sich chronologisch die Konflikte um die IDSA-Leitlinien entwickelten, dazu gibt es hier (auf Englisch) eine Zusammenstellung: http://underourskin.com/blog/wp-content/uploads/2010/01/IDSA_Investigation_Timeline1.pdf