Dienstag, 10. November 2009

Hier das Statement der Deutschen Borreliose-Gesellschaft zur IDSA-Anhörung!

EXIT :-)
Ebenso wie Lyme Disease Action in Großbritannien, machte die Deutsche Borreliosegesellschaft in einem Positionspapier für die IDSA-Anhörung klar, dass sie Einwände gegen die IDSA-Leitlinien erhebt.

Zunächst einmal wendet sich die Borreliosegesellschaft gegen die IDSA-Leitlinie, da sie über die USA hinaus und bis in europäische Staaten hineinwirkt. Außerdem sei man der Ansicht, dass diese Leitlinie die Ärzte in der Diagnose und Therapie der Lyme-Borreliose einschränkt. Eine solche Leitlinie müsse deutlich flexibler im Bereich der Diagnose und Therapiemöglichkeiten sein, gerade angesichts der Erregerpersistenz, der Schwere der Erkrankung und der unzulänglichen Labortests.

Hier geht's zum Statement der Deutschen Borreliosegesellschaft für die IDSA-Anhörung:
http://www.lymedisease.org/news/files.php?file=DBG_IDSA_Statement_final_703774413.pdf

Lyme-Borreliose-Forschung in Deutschland?

Wo und mit welchen Fragestellungen findet eigentlich Forschung zur Lyme-Borreliose in Deutschland statt?
Auf diese Frage möchte ich versuchen, im Laufe der Zeit ein paar Antworten und Beispiele zu finden. Quellen und Kontaktmöglichkeit werden genannt, so dass jeder, der sich persönlich über den Stand der Forschung bei den jeweiligen Instituten erkundigen möchte, dies auch tun kann.

Mir selbst geht es übrigens wieder gut (keine Ahnung, wie lange das anhalten wird - Stichwort: Erregerpersistenz), aber ich freue mich einfach darüber. Sollte es wieder abwärts gehen, wird halt wieder therapiert. ;-) Wollte das nur mal erwähnen - zum Mutmachen und als Durchhalte-Appell!

Die Universiität Leipzig listete 2006 u. a. folgende Forschungsprojekte auf:

Molekulare Persistenzmechanismen von Borrelia burgdorferi

Dr. Samiya Al-Robaiy, PD Dr. Reinhard K. Straubinger (BBZ-Nachwuchsgruppe Molekulare Infektionsmedizin) (straubinger@vetmed.uni-leipzig.de)
Borrelia burgdorferi ist eine Gruppe von spiralförmigen, aktiv beweglichen Bakterien aus der Familie der Spirochäten. Sie sind Ursache eines Krankheitsbildes, das bei Menschen und Tieren unter den Bezeichnungen Lyme-Borreliose oder Lyme disease bekannt ist. Trotz einer ausgeprägten humoralen und zellulären Immunantwort des Wirtes und trotz antibiotischer Behandlung können Borrelien in Geweben infizierter Wirte persistieren. Vor kurzem wurde gezeigt, dass Borrelia burgdorferi nicht nur in der typischen Spiralenform vorzufinden ist, sondern dass das Bakterium unter Stressbedingungen sich in kugelförmige Gebilde ("Zysten") verwandeln kann. Untersucht wurde, wie sich diese beiden Formen im Genom als auch im Oberflächenprotein- und lipidmuster unterscheiden, ob diese Zystenform die Grundlage für persistierende Infektionen ist und welchen Einfluss der Erregerveränderung auf die Mediatorenfreistetzung aus Leukozyten hat.
Weiterführung: Ja
Finanzierung: Biotechnologieförderung Sachsen (BBZ - Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum Leipzig)

Die Rolle von IL-23 und IL-17 bei der Entstehung der chronischen Lyme-Arthritis

Jens Knauer und PD Dr. Reinhard K. Straubinger (BBZ-Nachwuchsgruppe Molekulare Infektionsmedizin) (straubinger@vetmed.uni-leipzig.de)

Die Lyme-Borreliose kann beim Menschen drei klinische Phasen durchlaufen. Tage bis Wochen nach der Infektion mit dem Erreger Borrelia burgdorferi kann sich um die Entrittspforte herum die Hautfarbe verändern, welches als ein sich kreisförmige Rötung zu erkennen ist (Erythema migrans). Wochen bis Monate später können akute Entzündungserscheinung in Gelenken, den Nervensystem und im Herzen das klinische Bild prägen. Unter Umständen entwickeln einige Patienten Jahre nach der Infektion chronische Entzündungen in den Gelenken. Die dazu beitragenden Mechanismen sind unbekannt. Eine den Prozess unterstützende oder sogar auslösende Rolle von IL-23 und IL-17 wird angenommen und im Mausmodell genauer untersucht.

Weiterführung: Ja

Finanzierung: Biotechnologieförderung Sachsen (BBZ - Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum Leipzig)

Die Rolle von GM-CSF und TGF-beta bei der Lyme-Arthritis

Julia Schumann, Uwe Müller und Manfred Blessing (BBZ-Professur Molekulare Pathogenese: blessing@bbz.uni-leipzig.de)

Die Lyme-Borreliose kann beim Menschen und bei Haustieren zu Entzündungserscheinung in Gelenken, dem Nervensystem und im Herzen führen. Unter Umständen entwickeln einige Patienten Jahre nach der Infektion chronische Entzündungen in den Gelenken. Die dazu beitragenden Mechanismen sind unbekannt. Im Rahmen dieses Projektes werden anhand transgener Tiermodelle der Einfluß von TGF-beta und GM-CSF auf den Verlauf der Erkrankung untersucht.

Weiterführung: Ja

Finanzierung: Biotechnologieförderung Sachsen (BBZ, HWP)

Der Fachtierarzt für Immunologie und führende Experte für Borreliose bei Hunden, Dr. Reinhard K. Straubinger forscht u. a. zu möglichen Überlebensstrategien von B. burgdorferi. Siehe z. B. http://www.uni-leipzig.de/bbz/dateien/campus02_straubinger.PDF

Zum Teil wundert man sich als Laie, an welchen Fachbereichen Lyme-Borrelioseforschung angesiedelt ist. An der Uni Jena z. B. am Institut für Ernährungswissenschaften. Guckst Du hier ;-) http://www2.uni-jena.de/biologie/ieu/lh/informationen_zur_lyme-borreliose.htm

Mir persönlich ist es ziemlich egal, ob am Mausmodell oder bei Hunden geforscht wird - Hauptsache es tut sich im Bereich Forschung überhaupt etwas in Deutschland, schließlich können wir nicht alle Erkenntnisse aus den USA u. a. wg. anderer Erregerstämme 1 zu 1 auf Europa übertragen.

Und noch eine Bitte:

Wer von meinen Lesern auch immer auf weitere Forschungsvorhaben stößt, bitte in der Kommentarfunktion darauf hinweisen - einfach als Service für andere Borreliose-Geplagte. Danke! :-)