Samstag, 10. Oktober 2009

Wie risikoreich sind Zecken für Haustiere?

Während man sich bemüht einen wirkungsvollen Lyme-Borreliose-Impfstoff für Menschen zu entwickeln, leidet eine andere Population ebenfalls unter Infektionen, die lange genug vernachlässigt wurden: Hunde, Katzen, Pferde und Kühe – um nur einige Beispiele zu nennen.
Und ja: Es gibt einen Borreliose-Impfstoff für Hunde, doch der wurde in den USA entwickelt und schützt nur vor Borrelia burgdorferi sensu stricto, nicht vor den in Europa häufig vorkommenden B. afzelii, B. garinii sowie den weiteren, inzwischen entdeckten, Spezies wie B. lusitania und B. valaisiana. Außerdem schützt dieser Impfstoff auch nicht vor anderen, von Zecken übertragenen Erregern, wie Ehrlichia canis oder Babesia canis.

Unsere Hündin Luna, hier im Bild, leidet und litt an Borreliose, Babesiose, Ehrlichiose und Leishmaniose (letztere wird durch Sandmücken übertragen. Die Zecken sind ausnahmsweise unschuldig an dieser Malaise). Im Oktober 2008 lag sie fast im Sterben und sollte eingeschläfert werden. Das war vor allem der Leishmaniose zuzuschreiben. Nichtsdestotrotz litt sie über Jahre an Vaskulitis, ausgelöst durc h das berühmte Trio aus Borrelien, Ehrlichien und Babesien. Sie lahmte zwischenzeitlich, war appetitlos, apathisch und blutete immer wieder aus zahlreichen Wunden insbes. an den Gelenken.Diese Symptome bemerkten wir verstärkt, als wir in die USA gezogen waren. Wir unterstellten dem armen Hund – nein, nichts Psychosomatisches ;-) - aber dennoch vielleicht Probleme mit der Umstellung auf die neue Umgebung. Irren ist wahrlich menschlich!
Wir hatten jedoch sehr viel Glück und gerieten mit unserer Tierärztin ausgerechnet an jemanden, der, aus eigener Betroffenheit, in North Carolina die North Carolina Lyme Disease Foundation gegründet hatte. Im Nachhinein klingelt es noch in meinen Ohren, denn als sie die Diagnose stellte, fragte sie mich, ob es mir gut ginge? Ich antwortete recht verdutzt: „Ja, alles ok – keine Probleme.“ Worauf sie entgegnete, dass Tierhalter häufig unter den gleichen zeckenübertragenen Infektionen litten, wie ihre Vierbeiner. Das war im August 2006. Im Oktober 2006 bekam ich eine, wie ich glaubte, heftige fieberhafte Erkältung. Die Generalisationsphase. Von da an, war für lange Zeit nichts mehr, wie es war und ich rutschte langsam und stetig in diese lähmende Dunkelheit der Lyme-Borreliose.
Doch bevor ich noch weiter abschweife: Zeckenübertragene Infektionen bei Haus- und Nutztieren sind häufiger als gemeinhin angenommen. Zum Trost: Die Wahrscheinlichkeit, an einen Tierarzt zu geraten, der sich damit gut auskennt, ist jedoch ungleich größer, als für betroffene Menschen an einen solchen Humanmediziner.

Was ist über die Lyme-Borreliose beim Hund bekannt?
Erst 1992 gelang es, die sogenannten Henle-Koch’schen Postulate für B. burgdorferi beim Hund nachzuweisen (Wasmoen et al.) Hunde wurden experimentell infiziert und prompt reagierten die infizierten Tiere mit Gelenksymptomen, Fieber und schlechtem Allgemeinbefinden. Anschließend konnte der Erreger aus den infizierten Tieren isoliert und damit weitere Tiere infiziert werden. 1993 folgten weitere Experimente durch Appel et al. Zu beobachten war, dass zwischen 2 bis 5 Monaten nach der Infektion (die Infektion erfolgte über Zecken, die man sich an die Hunde ansaugen ließ) die Hunde leichte Lahmheiten zeigten, die zunahmen und wieder verschwanden. Vermutlich handelte es sich bei diesen Versuchen übrigens „nur“ um B. burgdorferi sensu stricto, da die Versuche in den USA durchgeführt wurden. Hinzu kamen leichte Gelenkschwellungen und erhöhte Körpertemperatur sowie Apathie. Nach 2 bis 4 Wochen kamen die Lahmheiten wieder; dann auch z. T. an anderen Gelenken. So wiederholte sich dieser Zyklus aus Lahmheiten, die kamen und gingen. Innerhalb des Beobachtungszeitraums von 17 Monaten zeigten die Tiere soweit keine weiteren klinischen Anzeichen. Wie beim Menschen behandelt man mit Antibiotika über einen längeren Zeitraum – im Idealfall, bis alle Symptome sicher abgeklungen sind. Und auch hier gilt: je früher therapiert wird, desto besser ist der Therapieerfolg und desto eher werden Spätfolgen vermieden. Da Hunde häufig im Unterholz stöbern und Grashalme streifen, muss jederzeit mit einer Re-Infektion gerechnet werden.

Beizeiten werde ich auch über Ehrlichiose und Babesiose beim Hund schreiben.
Eines noch vorneweg:

Im Jahr 2003 untersuchten Wissenschaftler des Berliner Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) deutschlandweit Zootiere systematisch auf Lyme-Borreliose. 10 % der untersuchten Tiere wiesen spezifische Antikörper gegen Borrelia burgdorferi auf; 11 % zeigten Testwette, die auf eine floride Infektion hinwiesen. Die Berliner Studie zeigt, dass unerwartet viele Zootiere borrelienverseuchten Zecken ausgesetzt sind; eine gewisse Gefährdung geht damit auch für das Personal in Zoologischen Gärten einher. Quelle: K. Stöbel, A. Schönberg, J. Streich: The seroepidemiology of Lyme borreliosis in zoo animals in: Epidemiol. Infect., Bd. 131, (2003)

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Immer mehr Ärzte lassen sich für "Studien" von der Pharmafirma bezahlen

Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung äußert sich besorgt über die Zunahme der von Ärzten an ahnungslosen (sic!) Patienten durchgeführten "Studien". Er habe, so war es am 1. Oktober im dpa Newsticker zu lesen, den dringenden Verdacht, dass viele dieser Studien zur Verkaufsförderung veranlasst würden.

Ja, wozu denn sonst? Etwa um bereits zugelassene Präparate, die sämtliche klinischen Tests durchlaufen haben, im Nachhinein auf ihre Verträglichkeit zu prüfen?

Die hier bloggende Leserin und Patientin diverser Ärzte staunt nicht schlecht: Für jeden teilnehmenden Patienten erhalten Ärzte zwischen 10 und 1000 Euro. Und weiter: "Die Hersteller hätten 2008 rund eine Milliarde Euro Umsatzzuwachs mit den entsprechenden Arzneien erzielt (...) 85 000 Mal hätten Ärzte 2008 an einer der 329 Studien teilgenommen. In diesem Jahr sei die Zahl der teilnehmenden Ärzte um fünf Prozent gestiegen.

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) verteidigt bereits auf der Homepage diese "Anwendungsbeobachtungen", die so der VFA, für Pharmaunternehmen und Zulassungsbehörden ein unverzichtbares Instrument seien (...)."

Ja, nee iss klar! Wie wäre es, wenn der Patient schlicht und ergreifend um seine Zustimmung gebeten würde? Ist es zuviel verlangt, dass ein Arzt dem Patienten einen Vordruck o. ä. über den Tisch schiebt, mit dem der Patient über die ach so unverzichtbaren Anwendungsbeobachtungen informiert und um seine Unterschrift/Zustimmung und was auch immer gebeten wird?

Und nun braucht es auch nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie so einige "Studien" der IDSA zustande gekommen sind, die alle ergeben, dass es keine chronische Borreliose gibt. Studiendesign: ad libitum. Wichtig ist nur, dass am Ende die gewünschte Aussage dabei herauskommt, gell?!

Weitere Infos zu der dpa-Nachricht hier.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Impfung oder Kündigung! Was man über die Schweinegrippe-Impfung in den USA wissen sollte...

Im Land der oft sehr begrenzten Möglichkeiten wird mit Schweinegrippe-Erkrankten oder wen auch immer man dafür hält, nicht zimperlich umgegangen. Auf dem Campus der US-Colleges werden die Studenten beispielsweise unter Quarantäne "gehalten". Diese Gebäude werden von den Studenten prompt "Lepra-Kolonie", "Schweine-Club" oder Schweinegrippe-Wohnheim" getauft.

Erstaunt sah ich vor ein paar Tagen auf CNN Europe, dass Demonstranten sich beklagten, ihre Arbeitgeber drohten mit Kündigung, falls sie sich nicht impfen ließen. Hintergrund: In Albany, im Staat New York, wurden die Mitarbeiter im Gesundheitswesen aufgefordert, sich bis spätestens 30. November impfen zu lassen, falls nicht, drohe die Kündigung. Und das im "Land of the free"? Vor Wochen unkte die US-Presse andererseits, dass die Impfung eh zu spät käme.

Auch andere US-Bundesstaaten kennen die verpflichtende Impfung, z. B. Alabama, Arkansas, Kalifornien und Kentucky. In Alabama oder Kalifornien kann man sich der Pflicht-Impfung "aus religiösen oder medizinischen Gründen" entziehen; in Kalifornien muss man sich schriftlich weigern. Etliche Krankenhäuser fordern ihre Beschäftigten bereits jetzt auf: Impfung oder Kündigung!