Freitag, 25. September 2009

Die etwas andere Wohngemeinschaft: Borrelia burgdorferi bildet schützende Biofilme. Hier jetzt im Film!

Heute erhielt ich wieder einen neuen Eintrag des "Under our skin"-Blogs. Was bereits etliche Forscher vermuten, ist nun auch in einem Video gut zu sehen. Es wurde eine 1-jährige Borrelia burgdorferi-Kultur angelegt und man kann über das Ergebnis staunen: Diese Bakterien aus der Familie der Spirochäten bilden schützende Biofilme!

Einer für alle - und alle für Einen - das gilt nicht nur für die Drei Musketiere sondern auch für Borrelia burgdorferi! Nur gemeinsam ist man stark - und als Biofilm sind diese Spirochäten nahezu unschlagbar.

Innerhalb dieser Zellverbände sieht man im Film die Borrelien in drei verschiedenen Zellformationen: In cystischer Form, als "Körnchen" in einer Cyste und als Körnchen, das sich in eine Spirochäte zurückverwandelt.

Am 24. Oktober 2009 wird es im US-Bundesstaat Maryland eine Konferenz zum Thema "Lyme Biofilms" geben. Führende Forscherin auf diesem Gebiet ist u. a. Dr. Sapi. Hier geht's zur ihrer Website.

Spiegel-Artikel über Biofilme: Bakterien verteidigen sich mit Chemie-Kampfstoff

FAZ-Artikel über Biofilme: Biofilme - Hort gefährlicher Keime

Tja, einige Mediziner sollten ein wenig Demut zeigen. Der Erreger der Syphilis, Treponema pallidum, ebenfalls zur Gruppe der Spirochäten gehörend, ist nur der tumbe Bruder dieser ungemein komplexen Bakterie: Borrelia burgdorferi. Und eigentlich müsste den Ärzten auch bewusst sein, dass sich biofilmbildende Bakterien sowohl erfolgreich dem Immunsystem, als auch der diversen Antibiotika entziehen, was im Übrigen ein zunehmendes Problem in Krankenhäusern darstellt. Nach Angaben der "WELT online" (26.04.2006) sind in bis zu 65 % aller Infektionen im Krankenhaus Biofilme die Verursacher - sie siedeln dort auf Kathetern, Implantaten und Beatmungssystemen, mit schrecklichen Folgen für die Patienten.

Noch Fragen, warum Therapien von Borrelieninfektionen so langwierig und schwierig sind?

Hier ist der Biofilm in Aktion zu sehen. Entweder auf den Link klicken oder auf das Video.
http://www.openeyepictures.com/clients-kris/BiofilmScientist-Edited-YouTube.mov

video

Forscher haben herausgefunden, dass die menschliche DNA u. a. den "Klebstoff" bildet, mit denen Bakterien einen Biofilm bilden können. Therapieansätze könnten also dergestalt aussehen, dass Enzyme dafür sorgen, diese DNA aufzuspalten und damit die Verbindung der Bakterien zu kappen. Weiter...

Foto oben: Borrelia burgdorferi, Bild vom Centers for Disease Control and Prevention's Public Health Image Library (PHIL), Identification number #6631.

Mittwoch, 23. September 2009

Neuer schockierender Film über Lyme-Borreliose: Under the Eightball

Nach dem großen Erfolg von "Under our skin" kam nun Ende August ein neuer Dokumentarfilm in die US-Kinos, der den Kampf gegen Lyme-Borreliose schildert und vor allem den Zusammenhang zwischen der Produktion von biologischen Kampfstoffen und Lyme Disease (= Lyme-Borreliose) zum Thema hat. Die mysteriöse Erkrankung seiner Schwester Lori wurde für Filmregisseur Timothy Grey zum Anlass, diesen Film zu drehen.

Hier geht's zum englischsprachigen Trailer von "Under the eightball".

Und was heißt "Under the eightball"?
Diese us-amerikanische Redewendung kommt, soweit ich weiß, aus dem Pool-Billard (8-Ball Spiel) und eigentlich sagt man "To be behind the eight ball". Alle Kugeln müssen "mit Ansagen" ins Loch - die 8er-Kugel zum Schluss. Wenn nun die 8er-Kugel zwischen dem Spieler und einem anderen Ball vor dem Loch liegt, befindet sich die andere Kugel "hinter der 8er-Kugel", was die Schwierigkeit erhöht und den Druck. Gemeint ist mit "to be behind the eight ball", dass eine Situation durch unerwartet aufkommende Probleme sehr schwierig wird. Ein ähnlicher Ausdruck ist "to be under the gun".

Dienstag, 22. September 2009

Wie kann man sich eigentlich vor Zeckenstichen schützen? Die 10 besten Tipps!

Rechts im Bild sehen wir einen Garten, der als überaus zeckenunfreundlich zu bezeichnen ist ;-)

Nachdem ich nun schon soviel über die Gefahren durch Zecken bzw. Zeckenstiche gebloggt habe, möchte ich einfach ein paar Tipps weitergeben, wie man die Wahrscheinlichkeit erhöht, von keiner Zecke "erwischt" zu werden.
Prävention ist schließlich immer das Beste, gell?

Hier die 10 wichtigsten Tipps, um Zeckenstiche zu vermeiden:

1. Meidet feuchtes Gras, insbesondere an Wald- und Flussrändern! Auch Farnspitzen oder Efeu sind beliebte Aufenthaltsorte dieser Mini-Vampire. Vorsicht! Wo es viele Mäuse, Kleinnager und Igel gibt (klassische Zeckenwirte) sind auch deren Schmarotzer nicht weit!

2. Falls möglich, nicht mit nackten Beinen oder barfuß über eine Wiese laufen. Als Erwachsener schützt man am besten seine Beine und streift auch nicht mit den Händen über Grashalme oder niedrige Büsche - insbesondere nicht in Parks oder an Waldrändern. Für Kinder gilt das Gleiche, allerdings können sie auch mit anderen Körperteilen oder dem Kopf Kontakt zu niedrigen Büschen etc. bekommen.

3. Untersucht Euch und die Kinder gegenseitig, wenn man sich dort aufgehalten hat, wo Zecken vermutet werden können. Auch in der abgelegten Kleidung kann's noch krabbeln! Wer jetzt denkt, es reicht, die Wäsche in die Waschmaschine zu stecken, der irrt leider. "Zecken überleben sogar den Kochwaschgang!" titelte "Die Welt" im Oktober 2007 und berichtete über die Experimente des Insektenforschers John Carroll vom US-Agrarforschungsdienst ARS in Beltsville (US-Staat Maryland).

4. Benutzt Insektenrepellents, auch wenn sie oft nur für kurze Zeit schützen.

5. Gestaltet Euren Hausgarten möglichst "trocken". Zecken vertragen keine Wärme und Trockenheit. Ein Steingarten und Kieswege sind ideal für den Menschen und schlecht für die Zecken ;-) Vermeidet "feuchte Ecken" im Hausgarten und verlegt die Kinderspielzone dorthin, wo es trocken und sonnig ist. Lasst im Herbst kein feuchtes Laub auf den Gehwegen oder dem Rasen liegen!

Und falls Ihr herausfinden wollt, ob Euer Garten oder Eure bevorzugten Plätze, Aufenthaltsorte etc. " Zeckenaufmarschgebiete" sind:
Nehmt zwischen Mai und September ein großes weißes Biberbetttuch, macht daraus eine Art Fahne (mit einem Besenstiel als Stange) und zieht mal am frühen Morgen diese "Fahne" durch die Wiese, den Rasen, die Büsche, die Farne, den Efeu etc. Solltet Ihr an einem Waldrand wohnen, geht Ihr am besten auch dort mal mit der "Fahne" durch. Das alles solltet Ihr aber nur machen, wenn Ihr Euch zuvor "zeckenfest" gekleidet habt. Tja, danach schaut Ihr Euch den Stoff mal genau an... wieviele schwarze Punkte (Nymphen) und adulte Zecken zählt Ihr?

6. Untersucht Eure Haustiere (Hunde, "Freigänger-Katzen"). Wichtig! Dabei geht es nicht nur um die Zecken, die sich bereits eine feste Stelle am Tier gesucht haben sondern um die Gefahr, dass noch ein paar "unentschlossene" Zecken durchs Fell wandern und beim Streicheln leicht den Wirt wechseln.

7. Falls möglich helle Kleidung anziehen. Die Chance ist einfach größer, dass man "schwarze Punkte" (Nymphen) oder eben auch die größeren adulten Zecken sieht.

8. Die Wenigsten werden das tun und man sieht auch reichlich seltsam aus, doch natürlich ist es ein guter Schutz, wenn man die Hosenbeine in die Socken stopft und langärmelige Kleidung bevorzugt. Stiefel sind auch nicht schlecht.

9. Falls man sich bei der Gartenarbeit auch im Gebüsch zu schaffen macht: eine Kopfbedeckung könnte nützlich sein. Manche sorgen sogar dafür, dass der Übergang von den Gartenhandschuhen zum Ärmelrand mit Klebeband versehen ist.

10. Flip-Flops sind auf Wiese, Rasen etc. eine einzige Einladung an die Zecken. Also besser geschlossenes Schuhwerk nehmen.

So, ich hoffe, die Tipps waren hilfreich und vielleicht denkt der ein oder andere nun doch über die Neugestaltung seines Gartens nach?! ;-)

(Foto: M. Bigge, Gnu-license, Dortmund, Städtische Bühnen, Stadttheater, Oper, Steingarten zwischen Eingangsbereich und Treppenaufgängen)

Teil 6 der Serie über weitere zeckenübertragene Infektionen. Heute: Tularämie oder Hasenpest

Rechts im Bild des CDC (Wikimedia commons) ist eine für Tularämie typische Hautläsion zu sehen.

Neben dem, im angelsächsischen Raum bereits als "Tick Triad" bezeichneten und relativ häufig vorkommenden "Infektions-Trio", das aus Lyme-Borreliose, Babesiose und Ehrlichiose besteht, kann sich der Fehlwirt Mensch durch Zeckenstiche auch mit weiteren, teilweise selteneren Krankheiten infizieren. Erkrankungen, von denen die Wenigsten bislang je gehört oder gelesen haben, die jedoch, wie z. B. die Tularämie oder das ebenfalls von Zecken übertragene Q-Fieber, auch als biologische Kampfstoffe klassifiziert werden.

Haben Sie je etwas über Tularämie oder auch Hasenpest gehört oder gelesen?

Nicht? Na, dann sollten Sie mal weiterlesen, denn anders als der Name es suggeriert, können nicht nur Hasen und Nager unter Hasenpest leiden, sondern leider auch Menschen.

Tularämie kommt in der gesamten nördlichen Hemisphäre vor. Von Skandinavien, über Russland, Japan, China, USA, Kanada bis zu unseren Breitengraden.

Das US-Center of Disease Control (in etwa vergleichbar mit unserem Robert-Koch-Institut (RKI)) schreibt, dass die in den USA und auch in Deutschland meldepflichtige Tularämie häufig unerkannt und damit auch ungemeldet bleibt. In den USA gab es zwischen 1985 und 1992 1.409 gemeldete Tularämie-Fälle und 20 tularämiebedingte Todesfälle. Die meisten Fälle treten zwischen Juni und September auf - analog der Zeckenaktivitätskurven.

Das RKI berichtete im Epidemiologischen Bulletin Nr. 18, Mai 2000, über ein Berliner Ehepaar, dass im Januar 2000 mit Fieber, Schüttelfrost und weiteren Zeichen eines grippalen Infekts erkrankte. Der konsultierte Hausarzt stellte die Diagnose "Grippe". Im Februar ging es den Eheleuten immer noch nicht besser, sondern schlechter und sie wechselten den Arzt. Danach versuchten sie es in der HNO-Abteilung einer Uni-Klinik. Dort wurde unter Mitwirkung eines Infektiologen die Verdachtsdiagnose "Tularämie" durch Antikörpernachweis im Serum bestätigt. Eine Therapie mit Streptomycin in Kombination mit Doxycylin resultierte lt. RKI in der völligen Ausheilung.

Die Tularämie sollte möglichst frühzeitig erkannt und antibiotisch behandelt werden, empfiehlt das RKI, da sonst mit komplizierten und auch tödlichen Verläufen zu rechnen sei. Falls man jedoch das Pech hat, erst von einem Arzt zum anderen laufen zu müssen und dank der unspezifischen Symptomatik immer nur "Grippe" als Diagnose zu hören, dann wird wohl in den meisten Fällen nichts aus der frühzeitigen Diagnose und Behandlung. Vor diesem Hintergrund ist auch die Anzahl der gemeldeten Fälle zu betrachten: im Mittel zwischen 3 bis 5 Erkrankungen (RKI, Dez. 2005). 2005 erkrankten 27 Jäger und ein Treiber einer Hasenjagd. Für 2005 sah die Statistik somit schon mal anders aus.

Kommen wir zu den möglichen Symptomen:
  • Hautläsionen und Geschwüre an Körperstellen - je nach Erregereintrittsstelle
  • Lymphknotenschwellungen
  • Bindehautentzündung
  • Lungenentzündung
  • Rachenentzündung
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • fieberhafte Allgemeinsymptomatik
Die Diagnose bzw. der Erregernachweis muss - bei biologischen Kampfstoffen leicht nachvollziehbar - in Speziallaboratorien erfolgen. Zum Beispiel nennt das RKI als Konsiliarlabor für Tularämie das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr.

Diagnostik: Wie so oft: das klinische Bild ist entscheidend. Ein direkter Erregernachweis ist schwierig (Anzucht in Mäusen ist möglich). PCR oder Antigen-Nachweis oder serologisch durch Anstieg der spezifischen Antikörper wären weitere Möglichkeiten.

In den USA gibt es einen Lebendimpfstoff - er ist in Deutschland jedoch nicht verfügbar.

Therapie:
Kombinationen aus diversen Antibiotika wie z. B.
  • Streptomycin
  • Gentamicin
  • Doxycyclin
  • Ciprofloxacin
Weitere Informationen z. B. im Antibiotikamonitor: Epidemiologie, Klinik und mikrobiologische Diagnostik der Tularämie
siehe auch: Ein Jäger mit inguinaler Bubone -Tularämie nach Zeckenstich