Mittwoch, 16. September 2009

Serie: Typische Ko-Infektionen durch Zecken. Heute Teil 5: Bartonellen und - es sind nicht immer die Katzen schuld!

Nachdem ich - vermutlich durch den Schweinegrippe-Erreger - einige Tage komplett aus dem Verkehr gezogen war, möchte ich heute mit meiner kleinen Serie zu den Ko-Infektionen, die häufig neben Lyme-Borreliose, durch Zeckenstiche verursacht werden, fortfahren (sorry, ist ein langer Satz geworden).

Eine Infektion mit Bartonella henselae wird auch Katzenkratzkrankheit genannt, da als Vektor (Überträger) u. a. Katzen in Frage kommen. Erst spät entdeckte man, dass auch Zecken Bartonella henselae übertragen.

Die Bakteriengattung der Bartonellen wurde übrigens nach nach ihrem Entdecker, dem peruanischen Arzt und Mikrobiologen Alberto Barton (Bild - ) benannt. 1905 beschrieb er erstmals die später nach ihm benannten Bakterien als Erreger des Oroya-Fiebers, die bei Arbeitern an der Bahnstrecke Lima-La Oroya zu beobachten war.

Der US-Arzt Dr. Joseph J. Burrascano stellte fest, dass die durch Zecken übertragenen Infektionen mit Borrelien häufig durch sogenannte Ko-Infektionen mit weiteren durch die Zecke übertragenen Krankheitserregern einhergehen und der chronischen Erkrankung den Weg bereiten. Diese "Misch-Infektionen" sind nicht leicht zu diagnostizieren - schon gar nicht von Medizinern, die bei diffusen Beschwerden mit Fieber weder an Ehrlichiose noch an Babesiose denken und bei denen es auch nicht klingelt, wenn der Patient pustelartige oder knotige Hauterscheinungen oder punktweise Einblutungen aufweist, deren Ursache eine Bartonellen-Infektion sein kann. In den USA gehen Borreliose-erfahrene Mediziner inzwischen davon aus, dass bei der chronischen Borreliose Ko-Infektionen die Regel und nicht die Ausnahme sind (M.D. James Schaller) und vermutlich zur Chronifizierung der Borreliose entscheidend beitragen.

Im Bundesgesundheitsblatt, Online, Vol. 47, Nr. 5/ Mai 2004 ist zu lesen:
Burrascano nennt folgende Symptomatik bei Ko-Infektion mit Bartonellen:

  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • morgendliches Fieber - ggf. in Schüben
  • Lymphknotenschwellungen
  • Schwindel,
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • schmerzhafte Fußsohlen (besonders morgens)
  • subkutane Hautknoten an den Extremitäten
  • Wichtig! Keine oder geringe Gelenkschmerzen

Diagnostik*:
z. B. PCR auf Bartonellen im Vollblut (EDTA) als Direktnachweis oder
Antikörper auf Bartonella henselae-IgM und IgG als indirekter Nachweis/Verlaufskontrolle

Therapie*:
*(Quelle: Augsburger Borreliose Centrum)

Makrolide
Tetracycline
Gyrasehemmer wie Ciprofloxacin
Rifampicin
Cephalosporine
Chinolone

Bartonella henselae ist als Erreger der Katzenkratzkrankheit der wichtigste Vertreter der Bartonellengattung. 1950 gelang es dem französischen Arzt Robert Debré diese Krankheit zu beschreiben. Es vergingen jedoch noch mehr als 40 Jahre, bis man den Erreger identifizieren konnte. 1983 wiesen Wear et al. erstmals Bakterien in Lymphknoten bei einem Patienten mit Katzenkratzkrankheit nach.

Bartonellen gehören zur Gruppe der Rickettsien. Es sind über 20 Arten bekannt, von denen mindestens 8 humanpathogen sind. Eine neue Art von Bartonellen, die erst vor kurzem entdeckt wurde, soll sogar lebensbedrohlich sein.

Mehr über Bartonellen & Co. auch unter: Epidemiologie, Klinik und Diagnostik von Bartonella-Infektionen