Freitag, 31. Juli 2009

Die Anhörung in den USA...warten auf die Aufzeichnung per webcast

So, gestern fand nun die lang erwartete Anhörung über die korrumpierten Leitlinien zur Lyme-Borreliose statt. Die Statements der Geladenen sind hier zu lesen.

Die Aufzeichnung der Anhörung wird leider erst am 04. August veröffentlicht.

Ich selbst werde wohl zeitweise "offline" sein, da es uns zum Wandern ins schottische Hochland zieht. Könnte also sein, dass jetzt in der nächsten Zeit erstmal ferienbedingt "Sendepause" ist. Auf dem Bild hier (der Allt a' Mhuilinn Weg zum Ben Nevis. Photo von Blisco, Gnu-Lizenz) sieht man übrigens, auf was wir uns freuen.

Allen Daheimbleibern wünsche ich ein rundum schönes Sommerwetter!

Montag, 27. Juli 2009

Offener Brief des Generalstaatsanwalts Blumenthal (US-Bundesstaat Connecticut) prangert Interessenskonflikt an

Am Sonntag, 19. Juli 2009, war in der "The Day Newspaper", ein offener Brief des Generalstaatsanwalts Richard Blumenthal, Connecticut, zu lesen. Leider kann ich den Artikel nicht direkt verlinken, da ich keinen Zugriff auf den Volltext der "The Day Newspaper" habe, doch der volle Text dieses offenen Briefs ist hier bei Dr. Jemsek nachzulesen. Grob übersetzt, unterstreicht Blumenthal in diesem Brief, dass er Jurist und kein Mediziner sei, doch gerade darum habe er sicherzustellen, dass Patienten vollen Zugang zu Medikamenten und Behandlungen erhalten, ohne illegal verursachte Beschränkungen oder wettbewerbsrechtliche Störungen. Der Prozess, unter dem medizinische Leitlinien entstehen, muss fair, allumfassend, wissenschaftlich und unbeeinträchtigt von potenziell illegalen Einflüssen der Versicherungsgesellschaften und Pharmafirmen sein, die ihren Profit maximieren wollen, so Blumenthal weiter.

Blumenthals Justizministerium begann 2007 mit seinen Untersuchungen, da ernstzunehmende Vorwürfe gegen die Leitlinienkommission erhoben wurden, vor allem im Hinblick auf weitreichende Interessenskonflikte der Mitglieder der Lyme-Borreliose-Leitlinienkommission und im Hinblick auf den gezielten Ausschluss wissenschaftlicher Studien, die zu Ergebnissen kamen, welche den "Erkenntnissen" der Leitlinienkommission widersprachen.

Blumenthal weist daraufhin, dass tendenziöse medizinische Leitlinien, die den Versicherungsgesellschaften, Pharmaherstellern und eigennützigen Mitgliedern einer Leitlinienkommission nützen, ein zunehmendes und ernsthaftes Problem seien. Es gibt zahlreiche Presseberichte über Pharmafirmen, die finanzielle Anreize wie Beraterhonorare, "Forschungsunterstützung", potenziell lukrative Patienten u.v.m. nutzen, um Ärzte ordnungswidrig zu beeinflussen. Diese Taktiken, die medizinische Leitlinien verzerren, könnten verheerende Auswirkungen auf die Patienten haben, da die Versicherungsgesellschaften anhand dieser Leitlinien entscheiden, für welche Therapien sie die Kosten erstatten.

Im Jahr 2005 wurde in einem Naturmagazinartikel berichtet, dass ein Drittel der 200 medizinischen Experten, die Mitglieder von Leitlinienkommissionen waren, zugaben, finanzielle Interessen an den Medikamenten zu haben, die sie in Betracht gezogen hatten. Ein Jahr zuvor berichtete die New York Times, dass acht von neun Mitgliedern des Nationalen Cholesterin-Informationsprogrammausschusses, die vehement eine deutliche Senkung des "schlechten" Cholesterins forderten, enge Beziehungen zu Herstellern von cholesterinsenkenden Präparaten hatten. Anmerkung: Ich konnte u. a. dies hier zum Thema finden.

Als die Infectious Diseases Society of America (IDSA) mit unseren Beweisen konfrontiert wurde, gaben sie die bemängelten Fehler zu und stimmten einer neuen Ausarbeitung der Leitlinien durch Mitglieder, die frei von Interessenskonflikten sind, zu, schreibt Blumenthal.

Und weiter:
(...) Die Überarbeitung kann mit vielen, wenigen oder gar keinen Änderungen einhergehen. (...) Meine Absicht ist es, dafür zu sorgen, dass die Leitlinien in einem fairen, transparenten und verantwortungsvollen wissenschaftlichen Prozess, frei von unlauteren finanziellen oder wettbewerbsfeindlichen Einflüssen, erstellt werden.


Tja, allzuviel erwarte ich von der öffentlichen Anhörung nicht. Allerdings ist man in den USA zumindest einen Schritt weiter, als wir hier in deutschen Landen: In der öffentlichen Anhörung kommt auch die Vertreterin einer Patientenorganisation zu Wort.