Montag, 6. Juli 2009

Start der Serie: Was Sie vielleicht noch nicht über die Zeckengefahr, die Borreliose oder FSME wissen!

Hallo!
Zum Thema Zeckengefahr und Krankheiten wird sehr vieles verharmlost, verschwiegen oder in den Medien teilweise missverständlich kommuniziert. Ich finde, es ist an der Zeit, einmal mit den gängigsten Irrtümern aufzuräumen. Ich starte daher ab heute mit meiner 10-teiligen Serie:

Alles, was Sie schon immer über Zeckenstiche und durch sie verursachte Infektionen wissen wollten (und Ihnen niemand erzählt hat)

Teil 1: Ich kann mich an keinen Zeckenstich erinnern bzw. ich habe keinen bemerkt. Kann ich dennoch an Borreliose erkranken?


Leider ja! Denn...

mehr als die Hälfte (Quelle z. B. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 1998) der infizierten Menschen können sich an keinen Zeckenstich erinnern!
Die Information, dass man nach einem Zeckenstich abwarten kann, ob sich eine Hautrötung zeigt, ist sogar gefährlicher Unfug!
Medizinische Studien ergaben, dass nur ca. 40% der mit Borrelien infizierten Patienten überhaupt eine Wanderröte oder eine dermatologische Auffälligkeit entwickeln. Die Wanderröte ist somit alles Andere als "typisch" für Borreliose; leider hat sich dieser Fakt bei vielen Ärzten und in den Medien noch nicht herumgesprochen.

Tage, Wochen oder Monate nach einem bemerkten oder unbemerkt gebliebenen Zeckenstich können sich z. B. diffuse "Erkältungssymptome" bemerkbar machen. Kaum ein Arzt oder der Patient selbst, stellt dann eine Verbindung zu einem möglichen Zeckenstich her. Die Ärzte-Odyssee kann beginnen...

Zeckenstiche spürt man nicht!
Zecken geben eine betäubende Substanz in die Stichstelle ab; oder, etwas genauer:
Die Zecke schneidet mit ihren „Scheren“ ein Loch in die Haut, taucht dann ihren Stechapparat in die Hautwunde und saugt das Blut ein. Und damit das Blut nicht gerinnt und der unfreiwillige Wirt es nicht bemerkt, gibt sie zwischendurch immer wieder eine schmerzstillende Flüssigkeit in die Wunde, die auch die Blutgerinnung verhindert und zusätzlich das Gewebe auflöst.

Zecken stechen gerne an schlecht zu erkennenden Stellen.
Wenn z. B. eine Zecke im Bauchnabel oder in der Kniekehle steckt, wird man sie kaum bemerken.

Besonders gefährlich: die Zeckennymphen.
Diese "Teenies" unter den Zecken sind häufig bereits mit allen möglichen Krankheitserregern infiziert, da sie als Larven ihre erste Blutmahlzeit hinter sich haben. Diese erste Mahlzeit holen sich sich bei Mäusen, Kleinnagern und sogar Ratten. Das Gefährliche an der Nymphe: sie ist nur 1 bis 2 Millimeter klein und damit praktisch kaum entdecken. Eine Nymphe kann sich somit ungestört und unerkannt stunden- und tagelang festsaugen und Krankheiten übertragen.

Ich selbst hielt - bis zu meiner Erkrankung - die Gefahr einer Borreliose durch einen Zeckenstich für unglaublich übertrieben und für Wanderurlaube in Österreich ließ ich mich selbstredend nicht gegen FSME impfen. Dass ich immer wieder Zecken aus dem Haarkleid unserer Hündin pulte, ließ mich auch nicht auf den Gedanken kommen, es könnten ja auch noch weitere Zecken im Gefolge sein, die - auf der Suche nach einer guten Hautstelle - beim Streicheln vom Vierbeiner zum Zweibeiner wechselten. Ich hatte null Ahnung, dass gerade die Zeckennymphen, allein aufgrund ihrer geringen Größe, besonders gefährlich sein könnten. Von gefährlichen Zeckennymphen hatte ich bis dato noch nie etwas gehört oder gelesen. Stattdessen rauschte immer wieder der FSME-Alarm durch den Blätterwald.

Wie so viele Menschen, bin ich den Medienberichten aufgesessen und glaubte, was man immer wieder lesen oder im TV sehen kann: 1. Zecke entdecken und entfernen. 2. Abwarten, ob sich ein kreisrunder roter Fleck zeigt bzw. eine Wanderröte. Falls ja, dann hat man immer noch Zeit zum Arzt zu gehen. So sah ich die Sache ganz entspannt und hatte keinen blassen Schimmer davon, dass diese Informationen unvollständig und gefährlich verharmlosend sind.

Als ich grippeartige Symptome entwickelte, konnte ich mich weder an eine Zecke noch an einen Zeckenstich erinnern. Eine Wanderröte oder rote Flecken hatte ich auch nie beobachtet. Sowohl meine Ärzte als auch ich standen monatelang vor einem Rätsel.

Lesen Sie hier nächste Woche Teil 2.
Dann geht es um die Gefahren, die von Zecken ausgehen, denn Zecken können bis zu 50 Krankheitserreger übertragen!