Sonntag, 28. Juni 2009

Wo ist die Gefahr eines Zeckenstichs eigentlich am größten?

Tja, jetzt wollen alle wieder lesen: Klar, die Gefahr eines Zeckenstichs ist im Wald und auf der Wiese am größten!

Die Wahrheit ist leider komplizierter und vor allem erschreckender! Zecken lauern im eigenen Garten, auf Farnen und Büschen; sie warten auf der Wiese im Freibad oder beim Rock-Konzert, in den Grasrändern von Sportplätzen, sie sitzen an der Spitze von Grashalmen, die ahnungslose Jogger, Spaziergänger mit kurzen Hosen abstreifen - oder Kinder mit ihren unbedeckten Armen. Zecken wechseln beim Kraulen des geliebten Hunds oder der Katze "die Seiten" und suchen sich beim weniger behaarten Zweibeiner eine günstige Stelle. Beim Grillen auf der Wiese, beim Training auf dem Rasen, beim Fahrradfahren mit unbedeckten Beinen oder beim Zelten setzt man sich der Gefahr eines Zeckenstichs aus. Zecken warten geduldig auf Grashalmen und Pflanzen. Ach ja, und falls man mal ganz dringend "im Gebüsch verschwinden" muss, erhöht sich gleichzeitig die Gefahr deutlich, dabei unbemerkt eine Zecke abzustreifen.

Merke! Zecken lassen sich nicht von Bäumen fallen! Das ist Unsinn! Zecken findet man auf Gräsern, Büschen und Sträuchern!

Die Zeckenlarven können noch nicht so hoch klettern - man sagt bis max. 30 cm; sie "erwischen" häufig als erste Blutmahlzeit Mäuse oder andere Nager (auch Ratten sind nicht ausgeschlossen; wieviele ernstzunehmende Krankheitserreger das sein können, ist leicht vorstellbar.) Die Krankheitserreger, die sie sich bei ihrer ersten Mahlzeit einverleiben, geben sie bei ihrer zweiten Mahlzeit - als Nymphe - an den nächsten Wirt weiter. Wenn man Pech hat, ist man selbst - natürlich unfreiwillig - dieser Wirt. Die Nymphen, die "Teenies" schaffen es schon bedeutend höher und lauern in bis zu 50 cm Höhe; dabei erreichen sie bereits größere Säugetiere wie Reh- und Rotwild, befallen aber auch Vögel und eben - Menschen. Adulte (erwachsene) Zecken klettern bis zu 1,5 m hoch.

Daraus erklärt sich, dass viele Erwachsene Zeckenstiche an Beinen und am Gesäß haben, bei Kindern ist es jedoch eher der Kopf oder ein Stich hinter dem Ohr.

Wie kann man sich schützen?
Jetzt liest man wieder überall, man solle lange Hosen tragen und sie in die Strümpfe stecken. Aber mal ernsthaft: Wer sitzt so im Sommer beim Grillfest auf der Wiese oder radelt bei 30° C auf diese Weise durch den Park? Außerdem ist bekannt, dass Zecken sehr lange herum krabbeln, um einen Weg zur Haut zu finden. Da hilft nur genaues Kontrollieren und Absuchen, Duschen ist auch nicht schlecht, falls das Spinnentier noch krabbelt.

Was man noch tun kann:
Den heimischen Garten so gestalten, dass er keine Zecken einlädt. Also, besser keinen Rasen, und wenn doch, dann häufig mähen! Gefallenes Laub sofort entfernen. Zecken lieben diese feuchten Rückzugsgebiete. Den Platz unter Vogelfutterplätzen sauber halten. Und generell: Zecken mögen keine Trockenheit!

Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ticks_1.jpg - w:User:Borislav Dopudja