Dienstag, 22. Dezember 2009

Ein gemütliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

An all meine treuen Leser: Zeitlich habe ich es nicht mehr geschafft, einen weiteren Post zu schreiben. Sorry... im Neuen Jahr geht's aber wieder weiter - versprochen!

Von den Ergebnissen der IDSA-Anhörung sieht und hört man nichts... die kommen wohl erst im neuen Jahr mit Ergebnissen 'rüber.

Euch allen ein gemütliches Fest, einen guten Rutsch und vor allem GESUNDHEIT im neuen Jahr!

:-)

Sonntag, 13. Dezember 2009

Wer hält US-Patente rund um die Borreliose?

Für alle, die es noch nicht wissen: Es gab in den USA einen Impfstoff gegen Borreliose, doch der Impfstoff blieb nur 38 Monate auf dem US-Markt. Dann gab der Hersteller, SmithKlineBeecham, auf. Und warum? Sollte man nicht meinen, dass ein Impfstoff gegen Lyme-Borreliose ein echter Blockbuster ist, mit dem sich die Millionen scheffeln lassen? Warum also nahm SmithKlineBeecham seinen Impfstoff vom Markt?

Einfach und kurz gesagt: Wenn ein Gerücht erst einmal in der Welt ist, kann man es nicht mehr einfangen. Und wenn ein Arzt und Studienleiter sich skrupellos verhält, verschwindet eben ein Impfstoff wieder vom Markt und Tausende Menschen leiden völlig unnötig an einer ernsten Infektionskrankheit. Und wenn man jetzt einfach abwartet, bis das Patent für diesen Impfstoff abgelaufen ist... wer scheffelt dann die Millionen?

Der Studienleiter war unser werter Herr Dr. Steere. Der Artikelschreiber, der das Gerücht in die Welt setzte, dass der Impfstoff u. U. autoimmune Arthritis auslösen könne, war? Ja, richtig: Dr. Steere!

Er und seine Yale-Kollegen halten Patente auf alles Mögliche rund um die Borreliose. Wenn das Patent auf Lymerix ausläuft, wer weiß wozu es dann gut war, dass Steere den Impfstoff durch seine beiden Fachartikel verunglimpfte... Cui bono? Wem nützt es? Diese Frage führt noch immer zu verblüffenden Erkenntnissen.

Hier kann man sich schon mal zum Thema Impfstoff einlesen: http://www.der-arzneimittelbrief.de/_anfang/DER_ARZNEIMITTELBRIEF.aspx?J=2007&S=29

Ich selbst lese mich gerade durch die ganze US-Medienlandschaft zum Thema Lymerix (tatsächlich gab es sogar 3 verschiedene Impfstoffe) und zur Dearborn-Konferenz, in der die Diagnosekriterien für Lyme-Borreliose festgezurrt wurden. Hierzu im Laufe der Zeit mehr ;-)

Hier nun die Links zu den Patenthaltern in den USA:
http://patft1.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO1&Sect2=HITOFF&d=PALL&p=1&u=%2Fnetahtml%2FPTO%2Fsrchnum.htm&r=1&f=G&l=50&s1=6,719,983.PN.&OS=PN/6,719,983&RS=PN/6,719,983

http://patft1.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO1&Sect2=HITOFF&d=PALL&p=1&u=%2Fnetahtml%2FPTO%2Fsrchnum.htm&r=1&f=G&l=50&s1=5618533.PN.&OS=PN/5618533&RS=PN/5618533

http://patft1.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO1&Sect2=HITOFF&d=PALL&p=1&u=%2Fnetahtml%2FPTO%2Fsrchnum.htm&r=1&f=G&l=50&s1=6689364.PN.&OS=PN/6689364&RS=PN/6689364

http://patft1.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO1&Sect2=HITOFF&d=PALL&p=1&u=%2Fnetahtml%2FPTO%2Fsrchnum.htm&r=1&f=G&l=50&s1=5747294.PN.&OS=PN/5747294&RS=PN/5747294

http://patft1.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO1&Sect2=HITOFF&d=PALL&p=1&u=%2Fnetahtml%2FPTO%2Fsrchnum.htm&r=1&f=G&l=50&s1=5620862.PN.&OS=PN/5620862&RS=PN/5620862

Wer Lust hat, kann auch selbst mal ein bisschen surfen: http://patft.uspto.gov/

Ach ja, und dann fand ich noch das hier: http://www.patentindex.de/patentportfolios/medizin-und-therapie/achtung-bei-zecken-borreliose-therapie-2390.html

Worauf mittlerweile Patente vergeben werden und wieviele Millionen Dollar/ Euros etc. dahinter stehen ist ganz gut hier nachzulesen: http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/genpatente-aufruhr-um-die-krebsmaus_aid_154697.html

Leider kann man in Deutschland wg. Patente nicht online recherchieren. Das wäre sicher auch spannend... Noch einen schönen Sonntag an alle! :-)

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Allen C. Steere widerspricht sich selbst

Bild: Nicolas Dings (*1953): “Der Lügner” (2005), in Osnabrück

Alle, die bereits ein wenig tiefer im Borreliosesumpf nach Studien gesucht haben, kennen vermutlich Allen C. Steere. Dieser Rheumatologe von der Yale University war der Erste, der sich nach Lyme begab und die seltsame Häufung von Patienten mit angeblich juveniler Arthritis untersuchte und diese, wie er glaubte, "neue" Krankheit beschrieb. Vor allem jedoch ist jener Steere einer der vehementesten Verfechter der "Es-gibt-keine-chronische-Borreliose-Theorie".

Nun, im Zuge meiner Recherchen, las ich heute seinen Artikel "Antigens of Borrelia burgdorferi recognized during Lyme disease" im Journal of clinical investigation, Ausgabe Okt. 1986. Dort ist - grob übersetzt - nachzulesen, dass das Erscheinen einer neuen IgM-Antwort und die Expansion der IgG-Antwort im Spätstadium der Krankheit, sowie das Fehlen dieser Antwort bei Patienten im Frühstadium, zeigt, dass B. burgdorferi im Laufe der Krankheit weiterlebt (...remains alive). Im Abstract der letzte Satz! Guckst Du hier: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC423723/

Montag, 7. Dezember 2009

Lyme-Borreliose-Problematik in Europa angekommen!

Welch' ein großer Schritt! Dem Borreliose und FSME Bund Deutschland ist es gelungen, führende EU-Politiker auf die Problematik rund um die Borreliose-Infektion aufmerksam machen zu können. Ja, mehr als das! So wie es aussieht, werden im kommenden Jahr wichtige Schritte seitens der EU-Gesundheitspolitik unternommen. Doch lest selbst: http://www.hassfurter-tagblatt.de/index.php?id=1514&tx_ttnews[tt_news]=21623&tx_ttnews[backPid]=1513&cHash=81d41a6869

Die Mühlen mahlen vielleicht langsam, aber sie mahlen!!! :-)

Freitag, 4. Dezember 2009

Zeckenbiss als Dienstunfall

Wird ein Lehrer auf einer Klassenfahrt von einer Zecke gestochen, gilt das als Dienstunfall. Mehr zum Urteil des Verwaltungsgerichts Münster: http://www.bild.de/BILD/regional/koeln/dpa/2009/11/30/zeckenbiss-auf-klassenfahrt-ist-ein-dienstunfall.html

Dienstag, 1. Dezember 2009

Forschungsprogramm Borreliose-Prävention

Die Landesstiftung Baden-Württemberg hat ein Forschungsprogramm zur Borreliose-Prävention aufgelegt. In diesem Programm sollen mit Hilfe biologischer Methoden neue Ansätze zur Reduktion der durch Zecken verursachten Borrelia-Infektionen entwickelt werden. Neben der Borreliose-Prävention sollen auch andere durch Zecken übertragene Erreger, insbesondere z.B. FSME-Erreger, erfasst werden. Mehr darüber: http://www.landesstiftung-bw.de/themen/wissenschaft.php?id=226

Freitag, 27. November 2009

US Patentnummer 7,179,448

Bin heute zufällig und virtuell über Folgendes gestolpert (grob übersetzt und zusammengefasst):

Forscher der Stony Brook Uni erhielten im April 2007 ein Patent auf die Entwicklung einer Kombination von Proteinen, die die Entwicklung eines Impfstoffs und Testkits für Borreliose beflügeln könnten.

Die genetisch hergestellten Proteine beinhalten Teile zweier Eiweiße, die normalerweise auf der Oberfläche der Borrelien zu finden sind, jedoch an unterschiedlichen Stellen im Lebenszyklus der Borrelien. Eine solche Kombination könnte eine Immunreaktion auslösen, die das Bakterium besser abwehren kann, als wenn das Immunsystem nur auf ein Protein stößt. Diese "chimären" Proteine könnten ebenso als diagnostische Reagenzien genutzt werden, um die krankheitsverursachenden Stämme von den harmloseren zu unterscheiden und somit die Schwere einer Infektion besser abschätzen zu können.

Die Forscher konnten beweisen, dass diese neue Proteinkombination die Immunreaktion auf mindestens eines oder beide Antigene aufrecht erhält und die Bildung von Antikörpern, die das Wachstum und/oder Eliminierung der Borrelien in Laborkulturen fördert. Diese "chimären" Proteine können durch E. coli-Bakterien in Massen produziert und einfach isoliert werden.

Dienstag, 24. November 2009

USA: Borreliose soll hinter einer neuen Krankheitsdefinition "verschwinden"

Bin heute zufällig über einen Brief der Lyme Disease Association (LDA) gestoßen. Er datiert vom 6. Oktober 2009, nichtsdestotrotz ist die Sache hochinteressant!

Die Patientenorganisation LDA wendet sich mit dem Schreiben an die Senatoren in New Jersey und damit gegen ein in New Jersey geplantes "Center of Excellence", das insbesondere zu dem neuen Krankheitskonzept "Neuroendokrine Immunstörungen" forschen und neue Diagnose- und Therapieprotokolle entwickeln soll. Zu diesen "neuroendrokrinen Immunstörungen" werden folgende Syndrome zugeordnet:
  • Chronisches Müdigkeitssyndrom,
  • Fibromyalgie,
  • Golfkriegsyndrom,
  • Lyme-Borreliose (sic!),
  • multiple Empfindlichkeitsstörungen (gegen Chemikalien etc.) sowie weitere Umwelterkrankungen.

Mit Recht weist LDA darauf hin, dass man bei allen anderen Syndromen, außer Lyme-Borreliose, die Krankheitsursachen nicht kennt. LDA bittet darum, dass Lyme-Borreliose aus dieser Liste entfernt wird. Außerdem sei Lyme-Borreliose keine Autoimmunerkrankung und es gebe seit Jahrzehnten Diagnose- und Therapieprotokolle, um diese komplexe Infektion in allen Krankheitsphasen zu bekämpfen.

Eine neue Klassifizierung dieser Infektion würde auch den über 21.000 peer-reviewed-Studien widersprechen, die das verursachende Pathogen beschreiben. Die Pathogenese der Borreliose ist in unzähligen Studien an Tiermodellen, Primaten etc. erforscht worden und demonstriert die Erregerpersistenz. (...) Der Brief geht dann noch weiter, aber das ist das meiner Meinung nach Wichtigste daraus.

Unglaublich, oder? Das muss auf jeden Fall weiter verfolgt werden!

In diesem Sinne, liebe Grüße an alle "Borrelianer" :-)

Sonntag, 22. November 2009

Ein neidvoller Blick auf die US-Forschung... seufz...

Der US-amerikanische Nationale Forschungsfond für zeckenübertragene Erkrankungen (NRFTD) veröffentlichte dieses Jahr die Gewinner ihrer Forschungsförderung. Insgesamt 240.000 US-Dollar wurden an vier Forschungsprojekte vergeben. In der Vergangenheit war es diesem Forschungsfond bereits gelungen, 2,1 Million Dollar für die Erforschung rund um zeckenübertragene Infektionen zu sammeln und zu vergeben.

2009 - And the winners are:
Stephen W. Barthold, DVM, Ph.D, Professor und Leiter des Zentrums für vergleichende Medizin, University of California Davis, 60.000 US-Dollar Projektkosten - 1 Jahr, Projekt: Borrelia burgdorferi Persistenz nach antibiotischer Behandlung

Linda K. Bockenstedt, MD, Harold W. Jockers Professor of Medicine, School of Medicine, Yale University
60.000 US-Dollar Projektkosten - 1 Jahr, Projekt: Bilder in Realzeit der Borrelia burgdorferi-Infektion bei Mäusen

Melissa Caimano, Ph.D, Dozentin am Department of Medicine, University of Connecticut Health Center
60.000 US-Dollar Projektkosten - 1 Jahr, Projekt: Borrelia burgdorferi Übertragung vom Mitteldarm der Zecke (Ixodes scapularis) verläuft in zwei, miteinander verbundenen Phasen

Gustavo Valbuena, MD, Ph.D, Assistant Professor am Department of Pathology, University of Texas Medical Branch, 60.000 US-Dollar Projektkosten - 1 Jahr, Projekt: Humanisiertes Maus-Modell der zeckenübertragenen Rickettsia rickettsii Infektion

Hier geht es zu den Gewinnern der zurückliegenden Jahre.

Dienstag, 17. November 2009

Martin Scorceses Film "Lymelife" in den USA nun auch auf DVD erhältlich

Leider (noch) nicht bei uns. Lymelife ist keine Doku sondern ein Kinofilm mit einer Handlung, die in den 70ern spielt. Mehr darüber hier (deutsch): http://www.moviegod.de/kino/meldung/13410/lymelife-alec-baldwin-und-emma-roberts-in-der-indie-tragikomoedie

Und hier geht's zum Trailer.
Das Podcast-Interview (englisch) mit dem Drehbuchautor Stephen Martini: http://www.lyme-disease-research-database.com/lyme_disease_blog_files/podcast_190.mov

Dienstag, 10. November 2009

Hier das Statement der Deutschen Borreliose-Gesellschaft zur IDSA-Anhörung!

EXIT :-)
Ebenso wie Lyme Disease Action in Großbritannien, machte die Deutsche Borreliosegesellschaft in einem Positionspapier für die IDSA-Anhörung klar, dass sie Einwände gegen die IDSA-Leitlinien erhebt.

Zunächst einmal wendet sich die Borreliosegesellschaft gegen die IDSA-Leitlinie, da sie über die USA hinaus und bis in europäische Staaten hineinwirkt. Außerdem sei man der Ansicht, dass diese Leitlinie die Ärzte in der Diagnose und Therapie der Lyme-Borreliose einschränkt. Eine solche Leitlinie müsse deutlich flexibler im Bereich der Diagnose und Therapiemöglichkeiten sein, gerade angesichts der Erregerpersistenz, der Schwere der Erkrankung und der unzulänglichen Labortests.

Hier geht's zum Statement der Deutschen Borreliosegesellschaft für die IDSA-Anhörung:
http://www.lymedisease.org/news/files.php?file=DBG_IDSA_Statement_final_703774413.pdf

Lyme-Borreliose-Forschung in Deutschland?

Wo und mit welchen Fragestellungen findet eigentlich Forschung zur Lyme-Borreliose in Deutschland statt?
Auf diese Frage möchte ich versuchen, im Laufe der Zeit ein paar Antworten und Beispiele zu finden. Quellen und Kontaktmöglichkeit werden genannt, so dass jeder, der sich persönlich über den Stand der Forschung bei den jeweiligen Instituten erkundigen möchte, dies auch tun kann.

Mir selbst geht es übrigens wieder gut (keine Ahnung, wie lange das anhalten wird - Stichwort: Erregerpersistenz), aber ich freue mich einfach darüber. Sollte es wieder abwärts gehen, wird halt wieder therapiert. ;-) Wollte das nur mal erwähnen - zum Mutmachen und als Durchhalte-Appell!

Die Universiität Leipzig listete 2006 u. a. folgende Forschungsprojekte auf:

Molekulare Persistenzmechanismen von Borrelia burgdorferi

Dr. Samiya Al-Robaiy, PD Dr. Reinhard K. Straubinger (BBZ-Nachwuchsgruppe Molekulare Infektionsmedizin) (straubinger@vetmed.uni-leipzig.de)
Borrelia burgdorferi ist eine Gruppe von spiralförmigen, aktiv beweglichen Bakterien aus der Familie der Spirochäten. Sie sind Ursache eines Krankheitsbildes, das bei Menschen und Tieren unter den Bezeichnungen Lyme-Borreliose oder Lyme disease bekannt ist. Trotz einer ausgeprägten humoralen und zellulären Immunantwort des Wirtes und trotz antibiotischer Behandlung können Borrelien in Geweben infizierter Wirte persistieren. Vor kurzem wurde gezeigt, dass Borrelia burgdorferi nicht nur in der typischen Spiralenform vorzufinden ist, sondern dass das Bakterium unter Stressbedingungen sich in kugelförmige Gebilde ("Zysten") verwandeln kann. Untersucht wurde, wie sich diese beiden Formen im Genom als auch im Oberflächenprotein- und lipidmuster unterscheiden, ob diese Zystenform die Grundlage für persistierende Infektionen ist und welchen Einfluss der Erregerveränderung auf die Mediatorenfreistetzung aus Leukozyten hat.
Weiterführung: Ja
Finanzierung: Biotechnologieförderung Sachsen (BBZ - Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum Leipzig)

Die Rolle von IL-23 und IL-17 bei der Entstehung der chronischen Lyme-Arthritis

Jens Knauer und PD Dr. Reinhard K. Straubinger (BBZ-Nachwuchsgruppe Molekulare Infektionsmedizin) (straubinger@vetmed.uni-leipzig.de)

Die Lyme-Borreliose kann beim Menschen drei klinische Phasen durchlaufen. Tage bis Wochen nach der Infektion mit dem Erreger Borrelia burgdorferi kann sich um die Entrittspforte herum die Hautfarbe verändern, welches als ein sich kreisförmige Rötung zu erkennen ist (Erythema migrans). Wochen bis Monate später können akute Entzündungserscheinung in Gelenken, den Nervensystem und im Herzen das klinische Bild prägen. Unter Umständen entwickeln einige Patienten Jahre nach der Infektion chronische Entzündungen in den Gelenken. Die dazu beitragenden Mechanismen sind unbekannt. Eine den Prozess unterstützende oder sogar auslösende Rolle von IL-23 und IL-17 wird angenommen und im Mausmodell genauer untersucht.

Weiterführung: Ja

Finanzierung: Biotechnologieförderung Sachsen (BBZ - Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum Leipzig)

Die Rolle von GM-CSF und TGF-beta bei der Lyme-Arthritis

Julia Schumann, Uwe Müller und Manfred Blessing (BBZ-Professur Molekulare Pathogenese: blessing@bbz.uni-leipzig.de)

Die Lyme-Borreliose kann beim Menschen und bei Haustieren zu Entzündungserscheinung in Gelenken, dem Nervensystem und im Herzen führen. Unter Umständen entwickeln einige Patienten Jahre nach der Infektion chronische Entzündungen in den Gelenken. Die dazu beitragenden Mechanismen sind unbekannt. Im Rahmen dieses Projektes werden anhand transgener Tiermodelle der Einfluß von TGF-beta und GM-CSF auf den Verlauf der Erkrankung untersucht.

Weiterführung: Ja

Finanzierung: Biotechnologieförderung Sachsen (BBZ, HWP)

Der Fachtierarzt für Immunologie und führende Experte für Borreliose bei Hunden, Dr. Reinhard K. Straubinger forscht u. a. zu möglichen Überlebensstrategien von B. burgdorferi. Siehe z. B. http://www.uni-leipzig.de/bbz/dateien/campus02_straubinger.PDF

Zum Teil wundert man sich als Laie, an welchen Fachbereichen Lyme-Borrelioseforschung angesiedelt ist. An der Uni Jena z. B. am Institut für Ernährungswissenschaften. Guckst Du hier ;-) http://www2.uni-jena.de/biologie/ieu/lh/informationen_zur_lyme-borreliose.htm

Mir persönlich ist es ziemlich egal, ob am Mausmodell oder bei Hunden geforscht wird - Hauptsache es tut sich im Bereich Forschung überhaupt etwas in Deutschland, schließlich können wir nicht alle Erkenntnisse aus den USA u. a. wg. anderer Erregerstämme 1 zu 1 auf Europa übertragen.

Und noch eine Bitte:

Wer von meinen Lesern auch immer auf weitere Forschungsvorhaben stößt, bitte in der Kommentarfunktion darauf hinweisen - einfach als Service für andere Borreliose-Geplagte. Danke! :-)




Dienstag, 3. November 2009

Warum ist man mit Borreliose soooo müde? Teil 2

Am Forschungszentrum für Lyme-Borreliose und zeckenübertragene Erkrankungen der Columbia University bezieht man sich auf eine jüngst veröffentlichte Studie, in der darüber berichtet wird, dass 68 % der Patienten mit CFS (Chronisches Müdigkeitssyndrom) den XMRV-Virus in sich tragen (verglichen mit 3,7 % der Vergleichsgruppe ohne CFS).

Nun nimmt man an, dass dieser Virus ggf. auch in Lyme-Borreliose-Patienten zu finden ist und dieser dann für persistierende Symptome wie bleierne Müdigkeit und Erschöpfung verantwortlich ist. Oder aber, es erfolgt eine Re-Aktivierung des zuvor latenten Virus' oder die Lyme-Borreliose schwächt die Immunabwehr derart, dass man sich als "Borrelianer" schnell mit diesem Virus ansteckt.

Wie auch immer - wenn dieser Virus die kausale Ursache für die typischen CFS-Symptome ist, dann könnte eine Therapie, wie sie bei HIV angewendet wird, auch hilfreich für Patienten mit persistierenden Symptomen sein.


Jetzt werde ich ein paar Tage nicht mehr bloggen, denn es geht in einen Kurzurlaub! Yippieh!!!

Freitag, 30. Oktober 2009

Der neue Webauftritt des Borreliosebunds ist online!

Der Borreliose und FSME Bund Deutschlands hat seinen Webauftritt überarbeitet und auch das Borrelioseforum - von vielen lang ersehnt - ist wieder online!

Meinen herzlichen Dank an das Team des Borreliosebundes! Alles ehrenamtlich und das, obwohl alle selber unter Lyme-Borreliose leiden. Hut ab!

Unter der Rubrik Presse/News findet man auch den Link zu einer interessanten Radiosendung "Borreliose - die verkannte Gefahr". Mal reinhören!

Dienstag, 27. Oktober 2009

Warum ist man mit Borreliose immer soooo müde?

Es gibt einige Forschungen dazu. Hauptthese ist, dass es an der Ausschüttung des Proteins TNF-alpha liegt.
In Zürich wiesen Forscher (Thomas Birchler et al.) nach, dass Mäuse, die TNF-alpha bekamen, weniger aktiv sind. Bei vielen Krankheiten geraten die biologischen Uhren aus dem Takt. Das Protein TNF-alpha reduziert den Output der "Uhren-Gene". Es war schon seit längerem bekannt, dass dieses Protein müde macht, doch nun konnte dies erstmals nachgewiesen werden.
TNF-alpha ist an Entzündungsprozessen beteiligt, die auf Infektionen reagieren. Bei akuten Erkrankungen mag eine zusätzliche Portion Schlaf ja ganz hilfreich sein, aber bei chronischen Entzündungen wird diese permanente Müdigkeit zur Belastung. Vielleicht hilft das weitere Verstehen dieser körperlichen Prozesse, die andauernde Müdigkeit bei Patienten mit chronischen Entzündungskrankheiten anzugehen, allerdings, so die Forscher, besteht die Gefahr, neben der Müdigkeit auch das Immunsystem abzuschwächen. Als nächstes möchten Birchler und seine Kollegen untersuchen, wie es TNF-alpha schafft, die inneren Uhren zu dämpfen bzw. wie der molekulare Mechanismus dieser Blockade abläuft. Des Weiteren soll geklärt werden, ob es sich um eine spezielle Wirkung von TNF-alpha handelt oder ob auch weitere an Entzündungsprozessen beteiligte Proteine wie z. B. Interleukin 1 diese Müdigkeit auslösen. Da bislang über die Wirkung von Entzündungsprozessen auf den zirkardianen Rhythmus wenig bekannt ist, betreten Birchler und seine Kollegen völliges Neuland.

Hier geht's zur Studie: http://www.pnas.org/content/104/31/12843.abstract?sid=37450f89-1d12-49de-a671-91b6eed761f7

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Nachtrag - Lektion in Medizinökonomie

GlaxoSmithKline hat nach Analystenschätzungen inzwischen Aufträge für rund 440 Mio. Dosen Impfstoff gegen den Schweine-Grippe-Erreger H1N1 erhalten. Die Bestellungen dürften der Nummer drei der Pharmabranche in den nächsten Quartalen zusätzliche Erlöse von mehr als drei Mrd. Dollar bescheren. Weiterlesen in "Der Milliardensegen Schweinegrippe-Pandemie".

Doch es gibt auch noch andere Lektionen in Ökonomie zu lernen, die bei der jährlichen saisonalen Virusgrippe allerdings bislang niemanden interessieren:

Die ökonomischen Risiken einer Grippe-Epidemie/Pandemie:

1. Verlust von Humankapital
Arbeitsausfälle und deren Folgekosten. Verringerter Konsum (krank lässt es sich nur schwer shoppen...) und ggf. beeinträchtigte Lieferketten wg. Produktionseinschränkungen

2. Das hat Auswirkungen auf die Finanzmärkte
Rückgang der Aktienkurse

3. Den Gewinnern (Pharmafirmen etc.) stehen Verlierer gegenüber (Tourismusbranche, Flugverkehr, Einzelhandel etc.).

4. Eine Pandemie könnte zur Schrumpfung des BIP um bis zu 5 Prozent führen.

Zusammengestellt vom Pharmahersteller Roche - mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

Lektionen in Gesundheitsökonomie...

Vorgestern sah ich mir auf Arte die Doku "Wer profitiert von der Schweinegrippe?" an. Ich war gespannt, ob meine Panikrezeptoren den ständigen Impfaufrufen noch standhalten können.
Montags hatte ich mir schon auf ARD "Heilung unerwünscht" angetan. Inhalt in aller Kürze: Ein Arzt hatte eine Salbe gegen Psosiaris und Neurodermitis entwickelt, die praktisch nebenwirkungsfrei ist. Klinische Studie erfolgreich, Patentrechte gesichert. Doch die großen Pharmakonzerne weigern sich, die Erfindung auf den Markt zu bringen. Klaro, an chronisch Leidenden verdient man besser! Hier geht's zur Mediathek und zur Reportage.

Wenn man diese Nachricht von HoffmannLaRoche liest, in welcher der Konzern 2007 barmt, dass die Nachfrage nach Tamiflu stark gesunken sei und man sich danach gleich dem FAZ-online-Artikel "Seuchengefahr durch Bakterien" widmet, hat man seine Lektion in Medizinökonomie gelernt. Das meiste Geld verdiente LaRoche 2007 übrigens mit Krebs-; Grippe-und Osteoporosepräparaten. It's the economy, stupid!

Im FAZ-Artikel "Seuchengefahr durch Bakterien" heißt es u. a.: Wir haben zehn- bis fünfzehnmal so viele wissenschaftliche Beiträge zur Verbreitung von mehrfach resistenten Erregern als Vorträge über neue Antibiotika.“ Die bittere Wahrheit lautet: Seit Jahren wartet man auf neue, breit wirkende Antibiotika. „Wir bekommen nur mehr Vertreter der alten Antibiotika-Klassen, aber keine wirklichen neuen Waffen“, klagte Andreas Voss vom Canisius-Wilhemlmina-Krankenhaus in Nijmegen. Die Pharmaindustrie verabschiede sich nach und nach von der Entwicklung neuer Medikamente, weil diese nach den Zulassungsrichtlinien wohl nur in besonders schweren - und damit eher seltenen - Fällen angewendet werden würde, meine Baquero. „Das ist angesichts der Entwicklungszeit von zehn bis fünfzehn Jahren und ein bis zwei Milliarden Euro Entwicklungskosten wenig lukrativ“, sagte der Präsident der Europäischen Mikrobiologen-Gesellschaft ESCMID, Guiseppe Cornaglio. Die Schuld werde zwischen Industrie und Genehmigungsbehörden hin- und hergeschoben."

Der ranghöchste Gesundheitsbeamte der USA, General William Stuart erklärte 1969 vor dem Kongress: "We can close the book on infectious disease". Das Buch sollte vielleicht noch ein wenig aufgeschlagen bleiben, denn seit 1940 hat sich die Zahl neu auftretender Infektionskrankheiten fast vervierfacht - mit einem Höhepunkt in den 1980er Jahren. http://www.wissenschaft-online.de/artikel/943569, Spektrum direkt, 20.02.2008

Medizinische Forschung durch Pharmafirmen oder wie der Konsument, Patient und Steuerzahler gleich zwei Mal zur Kasse gebeten wird. Gestern, in der TV-Sendung "Hart aber fair", musste ein Politiker einräumen, dass man GlaxoSmithKline (GSK) zunächst etliche Euro der Steuerzahler spendierte, um den Pharmakonzern bei der Entwicklung des H1N1-Impfstoffs "zu unterstützen", anschließend lässt sich GSK den Impfstoff (wieder indirekt vom Steuerzahler) teuer bezahlen. Die Impfstoffproduktion wird auch nicht etwa ausgeschrieben, sondern einfach mal so, an eine Pharmafirma vergeben. Der Preis war - nach allem, was zu hören und zu lesen ist, dabei noch nicht einmal Verhandlungssache.
Hier ein Interview mit der Ärztin Dr. Spelsberg von Transparency International.

Vertiefend sei dem geneigten Blogleser noch "Echolot", der sehr gute Science-Blog von Marc Scheloske ans Herz gelegt. Beispiel: Unabhängige Forschung?

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Aus deutschen Arztpraxen... Heute: Patient Guido aus Koblenz

Immer wieder erreichen mich E-Mails, in denen Patienten schildern, was sie als Borreliosepatienten in diversen Arztpraxen und Krankenhäusern erleben.

Guido aus Koblenz wollte, dass ich seine "Begegnung der dritten Art" hier im Blog veröffentliche. Er kam mit hohem Antikörper-Titer und LTT gerade von einem Borreliosespezialisten.

Tag 1:
Arzt: "Die Antikörper sind unspezifisch, und der LTT ist ja sehr umstritten."
Guido: ???
Arzt: "Vielleicht machen wir noch mal eine Liquor-Untersuchung."
Guido: ??? Denn auf dem Tisch, genau vor dem Arzt, liegt die negativ ausgefallene Liquoruntersuchung, die vor Beginn der Antibiotika-Therapie erfolgte.
Guido: "Ich lasse mich lieber kreuzigen, denn das dauert nur einen halben Tag!" ;-)
Arzt: "Vielleicht machen wir noch eine MRT vom Kopf."
Guido: "Wenn ich da entzündliche Herde habe, will ich das gar nicht wissen! Außerdem wäre das ja auch nicht spezifisch, oder?"

Tag 2:
Guido: "Ich habe oft so starke Kopfschmerzen, dass ich das auch mit Schmerzmitteln nicht aushalten kann; auch dann nicht, wenn ich die Schmerzmittel kombiniere. Der Kopf brennt wie verrückt! Seit einem Jahr ist das dauernd und täglich, oft auch nachts, wurde allerdings durch Minocyclin und Gemifloxacin unterbrochen: da kam ich jeweils 2-3 Monate fast vollkommen ohne Schmerzmittel aus. Welche Schmerzmittel könnte man noch nehmen, denn zur Zeit ist es wieder sehr schlimm?"
Arzt: "Es könnte sein, dass die Schmerzen von den Schmerzmitteln verursacht werden."
Guido denkt, das ist ja der letzte Schrei aus der Schmerzforschung. Noch nie gehört!!
Guido: "Ich versuche es immer wieder ganz ohne Schmerzmittel. Das ist aber nicht auszuhalten."
Arzt: "Trinken sie denn genug?"
Guido denkt: ??? Der Arzt führt die Zusatzbezeichnung "Schmerztherapie", und wir gehen ja davon aus, dass ich chronische Neuro-Borreliose habe: deswegen gibt er mir ja die Infusionen! ;-)

Tag 3:
Arzt: "Also, ich bin mir sicher, dass Ihre Kopfschmerzen durch die Schmerzmittel unterhalten werden. Nehmen Sie am besten erst mal gar nichts!"
Arzt sucht eine Vene.
Guido: "Manche lassen sich ja auch einen Port legen." (Denn meine Venen sind "natürlich" schlecht).
Arzt: "Also, von diesen übertriebenen Antibiosen halte ich ja gar nichts!"
Anmerkung Guido: Das war, zusammen mit den 21 Wochen Rocephin, die 151. Infusion (sic!), die ich innerhalb von zwei Jahren bekommen hatte. Ich hatte das dem Arzt alles schriftlich gegeben.

Bild: Die drei Auffen, Foto von Marcus Tièschky - Gnu License

Sonntag, 18. Oktober 2009

US-Bundesstaat Rhode Island erkennt "Chronische Borreliose" als Krankheit an

Ich las heute zufällig, dass der US-Bundesstaat Rhode Island eine chronische Lyme-Borreliose als ein real existierendes Problem erkennt. Doch bedingt durch den fehlenden medizinischen Konsens sieht man sich gezwungen, die Art der Therapie dem jeweiligen Arzt zu überlassen. Das wiederum erfordert - anders als bei uns in Deutschland - dass diese Therapie durch die Versicherungsgesellschaft des Einzelnen gedeckt wird. Spätestens hier hat auch der Borreliosepatient in Rhode Island ein massives Problem.

Mehr darüber: http://www.health.ri.gov/disease/communicable/lyme/chroniclyme.php
Unten, im letzten Absatz.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Mücken und Zecken als Krankheitserreger - Forschungsprojekt MüZe in Nordhessen

Im August fand in Nordhessen eine Veranstaltung zum Thema "Mücken und Zecken als Krankheiterreger - ein neues Risiko für Nordhessen?" statt. Näheres über das Forschungsprojekt MüZe erfährt man hier.
Und hier.

Ein Teilprojekt ist KLIMZUG. Freiwillige sammeln Mücken und Zecken und können sie mikroskopisch untersuchen lassen.

Für Nachfragen zu KLIMZUG Nordhessen und zum Forschungsprojekt "MüZe":
Frau Dr. Bornholdt, Klimaanpassungsbeauftragte für den Werra-Meißner-Kreis, gern zur Verfügung. Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Niederhoner Straße 54, Tel.: 05651 7449-23.

Samstag, 10. Oktober 2009

Wie risikoreich sind Zecken für Haustiere?

Während man sich bemüht einen wirkungsvollen Lyme-Borreliose-Impfstoff für Menschen zu entwickeln, leidet eine andere Population ebenfalls unter Infektionen, die lange genug vernachlässigt wurden: Hunde, Katzen, Pferde und Kühe – um nur einige Beispiele zu nennen.
Und ja: Es gibt einen Borreliose-Impfstoff für Hunde, doch der wurde in den USA entwickelt und schützt nur vor Borrelia burgdorferi sensu stricto, nicht vor den in Europa häufig vorkommenden B. afzelii, B. garinii sowie den weiteren, inzwischen entdeckten, Spezies wie B. lusitania und B. valaisiana. Außerdem schützt dieser Impfstoff auch nicht vor anderen, von Zecken übertragenen Erregern, wie Ehrlichia canis oder Babesia canis.

Unsere Hündin Luna, hier im Bild, leidet und litt an Borreliose, Babesiose, Ehrlichiose und Leishmaniose (letztere wird durch Sandmücken übertragen. Die Zecken sind ausnahmsweise unschuldig an dieser Malaise). Im Oktober 2008 lag sie fast im Sterben und sollte eingeschläfert werden. Das war vor allem der Leishmaniose zuzuschreiben. Nichtsdestotrotz litt sie über Jahre an Vaskulitis, ausgelöst durc h das berühmte Trio aus Borrelien, Ehrlichien und Babesien. Sie lahmte zwischenzeitlich, war appetitlos, apathisch und blutete immer wieder aus zahlreichen Wunden insbes. an den Gelenken.Diese Symptome bemerkten wir verstärkt, als wir in die USA gezogen waren. Wir unterstellten dem armen Hund – nein, nichts Psychosomatisches ;-) - aber dennoch vielleicht Probleme mit der Umstellung auf die neue Umgebung. Irren ist wahrlich menschlich!
Wir hatten jedoch sehr viel Glück und gerieten mit unserer Tierärztin ausgerechnet an jemanden, der, aus eigener Betroffenheit, in North Carolina die North Carolina Lyme Disease Foundation gegründet hatte. Im Nachhinein klingelt es noch in meinen Ohren, denn als sie die Diagnose stellte, fragte sie mich, ob es mir gut ginge? Ich antwortete recht verdutzt: „Ja, alles ok – keine Probleme.“ Worauf sie entgegnete, dass Tierhalter häufig unter den gleichen zeckenübertragenen Infektionen litten, wie ihre Vierbeiner. Das war im August 2006. Im Oktober 2006 bekam ich eine, wie ich glaubte, heftige fieberhafte Erkältung. Die Generalisationsphase. Von da an, war für lange Zeit nichts mehr, wie es war und ich rutschte langsam und stetig in diese lähmende Dunkelheit der Lyme-Borreliose.
Doch bevor ich noch weiter abschweife: Zeckenübertragene Infektionen bei Haus- und Nutztieren sind häufiger als gemeinhin angenommen. Zum Trost: Die Wahrscheinlichkeit, an einen Tierarzt zu geraten, der sich damit gut auskennt, ist jedoch ungleich größer, als für betroffene Menschen an einen solchen Humanmediziner.

Was ist über die Lyme-Borreliose beim Hund bekannt?
Erst 1992 gelang es, die sogenannten Henle-Koch’schen Postulate für B. burgdorferi beim Hund nachzuweisen (Wasmoen et al.) Hunde wurden experimentell infiziert und prompt reagierten die infizierten Tiere mit Gelenksymptomen, Fieber und schlechtem Allgemeinbefinden. Anschließend konnte der Erreger aus den infizierten Tieren isoliert und damit weitere Tiere infiziert werden. 1993 folgten weitere Experimente durch Appel et al. Zu beobachten war, dass zwischen 2 bis 5 Monaten nach der Infektion (die Infektion erfolgte über Zecken, die man sich an die Hunde ansaugen ließ) die Hunde leichte Lahmheiten zeigten, die zunahmen und wieder verschwanden. Vermutlich handelte es sich bei diesen Versuchen übrigens „nur“ um B. burgdorferi sensu stricto, da die Versuche in den USA durchgeführt wurden. Hinzu kamen leichte Gelenkschwellungen und erhöhte Körpertemperatur sowie Apathie. Nach 2 bis 4 Wochen kamen die Lahmheiten wieder; dann auch z. T. an anderen Gelenken. So wiederholte sich dieser Zyklus aus Lahmheiten, die kamen und gingen. Innerhalb des Beobachtungszeitraums von 17 Monaten zeigten die Tiere soweit keine weiteren klinischen Anzeichen. Wie beim Menschen behandelt man mit Antibiotika über einen längeren Zeitraum – im Idealfall, bis alle Symptome sicher abgeklungen sind. Und auch hier gilt: je früher therapiert wird, desto besser ist der Therapieerfolg und desto eher werden Spätfolgen vermieden. Da Hunde häufig im Unterholz stöbern und Grashalme streifen, muss jederzeit mit einer Re-Infektion gerechnet werden.

Beizeiten werde ich auch über Ehrlichiose und Babesiose beim Hund schreiben.
Eines noch vorneweg:

Im Jahr 2003 untersuchten Wissenschaftler des Berliner Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) deutschlandweit Zootiere systematisch auf Lyme-Borreliose. 10 % der untersuchten Tiere wiesen spezifische Antikörper gegen Borrelia burgdorferi auf; 11 % zeigten Testwette, die auf eine floride Infektion hinwiesen. Die Berliner Studie zeigt, dass unerwartet viele Zootiere borrelienverseuchten Zecken ausgesetzt sind; eine gewisse Gefährdung geht damit auch für das Personal in Zoologischen Gärten einher. Quelle: K. Stöbel, A. Schönberg, J. Streich: The seroepidemiology of Lyme borreliosis in zoo animals in: Epidemiol. Infect., Bd. 131, (2003)

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Immer mehr Ärzte lassen sich für "Studien" von der Pharmafirma bezahlen

Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung äußert sich besorgt über die Zunahme der von Ärzten an ahnungslosen (sic!) Patienten durchgeführten "Studien". Er habe, so war es am 1. Oktober im dpa Newsticker zu lesen, den dringenden Verdacht, dass viele dieser Studien zur Verkaufsförderung veranlasst würden.

Ja, wozu denn sonst? Etwa um bereits zugelassene Präparate, die sämtliche klinischen Tests durchlaufen haben, im Nachhinein auf ihre Verträglichkeit zu prüfen?

Die hier bloggende Leserin und Patientin diverser Ärzte staunt nicht schlecht: Für jeden teilnehmenden Patienten erhalten Ärzte zwischen 10 und 1000 Euro. Und weiter: "Die Hersteller hätten 2008 rund eine Milliarde Euro Umsatzzuwachs mit den entsprechenden Arzneien erzielt (...) 85 000 Mal hätten Ärzte 2008 an einer der 329 Studien teilgenommen. In diesem Jahr sei die Zahl der teilnehmenden Ärzte um fünf Prozent gestiegen.

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) verteidigt bereits auf der Homepage diese "Anwendungsbeobachtungen", die so der VFA, für Pharmaunternehmen und Zulassungsbehörden ein unverzichtbares Instrument seien (...)."

Ja, nee iss klar! Wie wäre es, wenn der Patient schlicht und ergreifend um seine Zustimmung gebeten würde? Ist es zuviel verlangt, dass ein Arzt dem Patienten einen Vordruck o. ä. über den Tisch schiebt, mit dem der Patient über die ach so unverzichtbaren Anwendungsbeobachtungen informiert und um seine Unterschrift/Zustimmung und was auch immer gebeten wird?

Und nun braucht es auch nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie so einige "Studien" der IDSA zustande gekommen sind, die alle ergeben, dass es keine chronische Borreliose gibt. Studiendesign: ad libitum. Wichtig ist nur, dass am Ende die gewünschte Aussage dabei herauskommt, gell?!

Weitere Infos zu der dpa-Nachricht hier.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Impfung oder Kündigung! Was man über die Schweinegrippe-Impfung in den USA wissen sollte...

Im Land der oft sehr begrenzten Möglichkeiten wird mit Schweinegrippe-Erkrankten oder wen auch immer man dafür hält, nicht zimperlich umgegangen. Auf dem Campus der US-Colleges werden die Studenten beispielsweise unter Quarantäne "gehalten". Diese Gebäude werden von den Studenten prompt "Lepra-Kolonie", "Schweine-Club" oder Schweinegrippe-Wohnheim" getauft.

Erstaunt sah ich vor ein paar Tagen auf CNN Europe, dass Demonstranten sich beklagten, ihre Arbeitgeber drohten mit Kündigung, falls sie sich nicht impfen ließen. Hintergrund: In Albany, im Staat New York, wurden die Mitarbeiter im Gesundheitswesen aufgefordert, sich bis spätestens 30. November impfen zu lassen, falls nicht, drohe die Kündigung. Und das im "Land of the free"? Vor Wochen unkte die US-Presse andererseits, dass die Impfung eh zu spät käme.

Auch andere US-Bundesstaaten kennen die verpflichtende Impfung, z. B. Alabama, Arkansas, Kalifornien und Kentucky. In Alabama oder Kalifornien kann man sich der Pflicht-Impfung "aus religiösen oder medizinischen Gründen" entziehen; in Kalifornien muss man sich schriftlich weigern. Etliche Krankenhäuser fordern ihre Beschäftigten bereits jetzt auf: Impfung oder Kündigung!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

USA: Schweinegrippe-Impfung gibt's für Senioren gratis - in einem Stripclub

Tsss... wenn der Hintergrund nicht so traurig wäre (Millionen US-Bürger ohne Krankenversicherung). Ein Stripclub in Florida entdeckt sein Herz für die Armen, die sich keine Schweinegrippe-Impfung leisten können.

Senioren, die einen Stripclub in Florida besuchen, bekommen neben einem guten Gratis-Buffet auch noch die Schweinegrippe-Impfung umsonst. Eine ältere Dame scherzt, dass sie hofft, dort noch einen Job zu bekommen und der Manager lässt sich zu der Aussage hinreißen, dass man angesichts steigender Kosten im Gesundheitswesen dem Gemeinwesen etwas zurückgeben möchte. Da kommen einem doch die Tränen, oder?

Das alles hier in diesem (englischsprachigen!) CNN-Video:

Mittwoch, 30. September 2009

Auch andere "Borrelianer" schreiben, bloggen, twittern und bringen Filme auf YouTube

Heute möchte ich Euch gerne andere Blogs, Websites und YouTube-Filme vorstellen, mit denen engagierte Patienten und/oder deren Freunde und Angehörige an die Öffentlichkeit treten.

Als - in meinen Augen - wichtigsten Link natürlich der Link zum Borreliose und FSME Bund Deutschland, dessen Website und das überaus wichtige, nützliche und hilfreiche Forum im September neu und modernisiert aufgebaut wird.

An dieser Stelle sei selbstverständlich auch der BZK genannt.

Jutta Zacharias betreibt eine sehr informative Website: http://www.zecken-borreliose.de/index.html. Fundiert und die Probleme excellent analysierend.

http://www.lymenet.de/ - immer auf dem neuesten Stand. Kompliment! Leider weiß man nicht so genau, wer alles daran mitarbeitet.

Der Moderator des Borreliose-Forums hat im Laufe der Zeit sehr umfangreiche Informationen auf der Website der Borreliose-SHG Ulm zusammengetragen. Klasse!

Gunnar Torbohm startete einfach mit einem Video-Log auf YouTube: Hier ein Beispiel, mit dem er sich an die Ärzte wendet und hier sein erstes Log, mit dem seine Serie Ende 2008 begann.

Und dann gibt es noch eine gute Seele, die hinter http://www.myspace.com/ribbonforlyme steckt - wer genau, hat sich mir noch nicht erschlossen. ;-)

Auch gezwitschert bzw. "getwittert" wird über Borreliose. Guckst Du hier: http://twitter.com/Borreliose

Also: Lyme-Borreliose sozusagen auf allen Kanälen.
Ich bin sicher, dass sich das Problem um die unzulängliche Diagnostik und Therapie auf Dauer nicht weiter "wegschweigen" lässt. Der Druck wird größer werden. Die veröffentlichten Erkrankungszahlen diverser Krankenkassen tragen das ihrige dazu bei.

In diesem Sinne - die Hoffnung stirbt immer zuletzt!

Sonntag, 27. September 2009

Die US-amerikanische Seuchenbehörde wird 3,66 Millionen US-Dollars für Lyme-Borreliose ausgeben!

Im Juli verkündete das CDC, dass es erstmals, das seit Jahren fallende Budget für Lyme-Borreliose deutlich um 3,66 Millionen US-Dollar erhöhen wolle. Es betrüge damit 8,93 Millionen US-Dollar. Der Gesundheitsminister wird 2010 die Ergebnisse überprüfen und regte an, das CDC möge insbesondere für eine Verbesserung der Diagnostik sorgen. Die nationale Gesundheitsforschungsinstitution (National Institutes of Health) sollen eine Konferenz über das gesamte Spektrum der Lyme-Borreliose abhalten, zu denen auch die Patientensprecher beitragen.

Und was macht das deutsche Pendant, das Robert-Koch-Institut? Es operiert nach wie vor mit uralten Zahlen zur Krankheitshäufigkeit der Lyme-Borreliose. Und falls z. B. die Techniker Krankenkassen zu deutlich anderen Erkrankungszahlen kommt, will man sich nicht äußern sondern behauptet, diese Zahlen müssten zunächst einmal überprüft werden.

Freitag, 25. September 2009

Die etwas andere Wohngemeinschaft: Borrelia burgdorferi bildet schützende Biofilme. Hier jetzt im Film!

Heute erhielt ich wieder einen neuen Eintrag des "Under our skin"-Blogs. Was bereits etliche Forscher vermuten, ist nun auch in einem Video gut zu sehen. Es wurde eine 1-jährige Borrelia burgdorferi-Kultur angelegt und man kann über das Ergebnis staunen: Diese Bakterien aus der Familie der Spirochäten bilden schützende Biofilme!

Einer für alle - und alle für Einen - das gilt nicht nur für die Drei Musketiere sondern auch für Borrelia burgdorferi! Nur gemeinsam ist man stark - und als Biofilm sind diese Spirochäten nahezu unschlagbar.

Innerhalb dieser Zellverbände sieht man im Film die Borrelien in drei verschiedenen Zellformationen: In cystischer Form, als "Körnchen" in einer Cyste und als Körnchen, das sich in eine Spirochäte zurückverwandelt.

Am 24. Oktober 2009 wird es im US-Bundesstaat Maryland eine Konferenz zum Thema "Lyme Biofilms" geben. Führende Forscherin auf diesem Gebiet ist u. a. Dr. Sapi. Hier geht's zur ihrer Website.

Spiegel-Artikel über Biofilme: Bakterien verteidigen sich mit Chemie-Kampfstoff

FAZ-Artikel über Biofilme: Biofilme - Hort gefährlicher Keime

Tja, einige Mediziner sollten ein wenig Demut zeigen. Der Erreger der Syphilis, Treponema pallidum, ebenfalls zur Gruppe der Spirochäten gehörend, ist nur der tumbe Bruder dieser ungemein komplexen Bakterie: Borrelia burgdorferi. Und eigentlich müsste den Ärzten auch bewusst sein, dass sich biofilmbildende Bakterien sowohl erfolgreich dem Immunsystem, als auch der diversen Antibiotika entziehen, was im Übrigen ein zunehmendes Problem in Krankenhäusern darstellt. Nach Angaben der "WELT online" (26.04.2006) sind in bis zu 65 % aller Infektionen im Krankenhaus Biofilme die Verursacher - sie siedeln dort auf Kathetern, Implantaten und Beatmungssystemen, mit schrecklichen Folgen für die Patienten.

Noch Fragen, warum Therapien von Borrelieninfektionen so langwierig und schwierig sind?

Hier ist der Biofilm in Aktion zu sehen. Entweder auf den Link klicken oder auf das Video.
http://www.openeyepictures.com/clients-kris/BiofilmScientist-Edited-YouTube.mov



Forscher haben herausgefunden, dass die menschliche DNA u. a. den "Klebstoff" bildet, mit denen Bakterien einen Biofilm bilden können. Therapieansätze könnten also dergestalt aussehen, dass Enzyme dafür sorgen, diese DNA aufzuspalten und damit die Verbindung der Bakterien zu kappen. Weiter...

Foto oben: Borrelia burgdorferi, Bild vom Centers for Disease Control and Prevention's Public Health Image Library (PHIL), Identification number #6631.

Mittwoch, 23. September 2009

Neuer schockierender Film über Lyme-Borreliose: Under the Eightball

Nach dem großen Erfolg von "Under our skin" kam nun Ende August ein neuer Dokumentarfilm in die US-Kinos, der den Kampf gegen Lyme-Borreliose schildert und vor allem den Zusammenhang zwischen der Produktion von biologischen Kampfstoffen und Lyme Disease (= Lyme-Borreliose) zum Thema hat. Die mysteriöse Erkrankung seiner Schwester Lori wurde für Filmregisseur Timothy Grey zum Anlass, diesen Film zu drehen.

Hier geht's zum englischsprachigen Trailer von "Under the eightball".

Und was heißt "Under the eightball"?
Diese us-amerikanische Redewendung kommt, soweit ich weiß, aus dem Pool-Billard (8-Ball Spiel) und eigentlich sagt man "To be behind the eight ball". Alle Kugeln müssen "mit Ansagen" ins Loch - die 8er-Kugel zum Schluss. Wenn nun die 8er-Kugel zwischen dem Spieler und einem anderen Ball vor dem Loch liegt, befindet sich die andere Kugel "hinter der 8er-Kugel", was die Schwierigkeit erhöht und den Druck. Gemeint ist mit "to be behind the eight ball", dass eine Situation durch unerwartet aufkommende Probleme sehr schwierig wird. Ein ähnlicher Ausdruck ist "to be under the gun".

Dienstag, 22. September 2009

Wie kann man sich eigentlich vor Zeckenstichen schützen? Die 10 besten Tipps!

Rechts im Bild sehen wir einen Garten, der als überaus zeckenunfreundlich zu bezeichnen ist ;-)

Nachdem ich nun schon soviel über die Gefahren durch Zecken bzw. Zeckenstiche gebloggt habe, möchte ich einfach ein paar Tipps weitergeben, wie man die Wahrscheinlichkeit erhöht, von keiner Zecke "erwischt" zu werden.
Prävention ist schließlich immer das Beste, gell?

Hier die 10 wichtigsten Tipps, um Zeckenstiche zu vermeiden:

1. Meidet feuchtes Gras, insbesondere an Wald- und Flussrändern! Auch Farnspitzen oder Efeu sind beliebte Aufenthaltsorte dieser Mini-Vampire. Vorsicht! Wo es viele Mäuse, Kleinnager und Igel gibt (klassische Zeckenwirte) sind auch deren Schmarotzer nicht weit!

2. Falls möglich, nicht mit nackten Beinen oder barfuß über eine Wiese laufen. Als Erwachsener schützt man am besten seine Beine und streift auch nicht mit den Händen über Grashalme oder niedrige Büsche - insbesondere nicht in Parks oder an Waldrändern. Für Kinder gilt das Gleiche, allerdings können sie auch mit anderen Körperteilen oder dem Kopf Kontakt zu niedrigen Büschen etc. bekommen.

3. Untersucht Euch und die Kinder gegenseitig, wenn man sich dort aufgehalten hat, wo Zecken vermutet werden können. Auch in der abgelegten Kleidung kann's noch krabbeln! Wer jetzt denkt, es reicht, die Wäsche in die Waschmaschine zu stecken, der irrt leider. "Zecken überleben sogar den Kochwaschgang!" titelte "Die Welt" im Oktober 2007 und berichtete über die Experimente des Insektenforschers John Carroll vom US-Agrarforschungsdienst ARS in Beltsville (US-Staat Maryland).

4. Benutzt Insektenrepellents, auch wenn sie oft nur für kurze Zeit schützen.

5. Gestaltet Euren Hausgarten möglichst "trocken". Zecken vertragen keine Wärme und Trockenheit. Ein Steingarten und Kieswege sind ideal für den Menschen und schlecht für die Zecken ;-) Vermeidet "feuchte Ecken" im Hausgarten und verlegt die Kinderspielzone dorthin, wo es trocken und sonnig ist. Lasst im Herbst kein feuchtes Laub auf den Gehwegen oder dem Rasen liegen!

Und falls Ihr herausfinden wollt, ob Euer Garten oder Eure bevorzugten Plätze, Aufenthaltsorte etc. " Zeckenaufmarschgebiete" sind:
Nehmt zwischen Mai und September ein großes weißes Biberbetttuch, macht daraus eine Art Fahne (mit einem Besenstiel als Stange) und zieht mal am frühen Morgen diese "Fahne" durch die Wiese, den Rasen, die Büsche, die Farne, den Efeu etc. Solltet Ihr an einem Waldrand wohnen, geht Ihr am besten auch dort mal mit der "Fahne" durch. Das alles solltet Ihr aber nur machen, wenn Ihr Euch zuvor "zeckenfest" gekleidet habt. Tja, danach schaut Ihr Euch den Stoff mal genau an... wieviele schwarze Punkte (Nymphen) und adulte Zecken zählt Ihr?

6. Untersucht Eure Haustiere (Hunde, "Freigänger-Katzen"). Wichtig! Dabei geht es nicht nur um die Zecken, die sich bereits eine feste Stelle am Tier gesucht haben sondern um die Gefahr, dass noch ein paar "unentschlossene" Zecken durchs Fell wandern und beim Streicheln leicht den Wirt wechseln.

7. Falls möglich helle Kleidung anziehen. Die Chance ist einfach größer, dass man "schwarze Punkte" (Nymphen) oder eben auch die größeren adulten Zecken sieht.

8. Die Wenigsten werden das tun und man sieht auch reichlich seltsam aus, doch natürlich ist es ein guter Schutz, wenn man die Hosenbeine in die Socken stopft und langärmelige Kleidung bevorzugt. Stiefel sind auch nicht schlecht.

9. Falls man sich bei der Gartenarbeit auch im Gebüsch zu schaffen macht: eine Kopfbedeckung könnte nützlich sein. Manche sorgen sogar dafür, dass der Übergang von den Gartenhandschuhen zum Ärmelrand mit Klebeband versehen ist.

10. Flip-Flops sind auf Wiese, Rasen etc. eine einzige Einladung an die Zecken. Also besser geschlossenes Schuhwerk nehmen.

So, ich hoffe, die Tipps waren hilfreich und vielleicht denkt der ein oder andere nun doch über die Neugestaltung seines Gartens nach?! ;-)

(Foto: M. Bigge, Gnu-license, Dortmund, Städtische Bühnen, Stadttheater, Oper, Steingarten zwischen Eingangsbereich und Treppenaufgängen)

Teil 6 der Serie über weitere zeckenübertragene Infektionen. Heute: Tularämie oder Hasenpest

Rechts im Bild des CDC (Wikimedia commons) ist eine für Tularämie typische Hautläsion zu sehen.

Neben dem, im angelsächsischen Raum bereits als "Tick Triad" bezeichneten und relativ häufig vorkommenden "Infektions-Trio", das aus Lyme-Borreliose, Babesiose und Ehrlichiose besteht, kann sich der Fehlwirt Mensch durch Zeckenstiche auch mit weiteren, teilweise selteneren Krankheiten infizieren. Erkrankungen, von denen die Wenigsten bislang je gehört oder gelesen haben, die jedoch, wie z. B. die Tularämie oder das ebenfalls von Zecken übertragene Q-Fieber, auch als biologische Kampfstoffe klassifiziert werden.

Haben Sie je etwas über Tularämie oder auch Hasenpest gehört oder gelesen?

Nicht? Na, dann sollten Sie mal weiterlesen, denn anders als der Name es suggeriert, können nicht nur Hasen und Nager unter Hasenpest leiden, sondern leider auch Menschen.

Tularämie kommt in der gesamten nördlichen Hemisphäre vor. Von Skandinavien, über Russland, Japan, China, USA, Kanada bis zu unseren Breitengraden.

Das US-Center of Disease Control (in etwa vergleichbar mit unserem Robert-Koch-Institut (RKI)) schreibt, dass die in den USA und auch in Deutschland meldepflichtige Tularämie häufig unerkannt und damit auch ungemeldet bleibt. In den USA gab es zwischen 1985 und 1992 1.409 gemeldete Tularämie-Fälle und 20 tularämiebedingte Todesfälle. Die meisten Fälle treten zwischen Juni und September auf - analog der Zeckenaktivitätskurven.

Das RKI berichtete im Epidemiologischen Bulletin Nr. 18, Mai 2000, über ein Berliner Ehepaar, dass im Januar 2000 mit Fieber, Schüttelfrost und weiteren Zeichen eines grippalen Infekts erkrankte. Der konsultierte Hausarzt stellte die Diagnose "Grippe". Im Februar ging es den Eheleuten immer noch nicht besser, sondern schlechter und sie wechselten den Arzt. Danach versuchten sie es in der HNO-Abteilung einer Uni-Klinik. Dort wurde unter Mitwirkung eines Infektiologen die Verdachtsdiagnose "Tularämie" durch Antikörpernachweis im Serum bestätigt. Eine Therapie mit Streptomycin in Kombination mit Doxycylin resultierte lt. RKI in der völligen Ausheilung.

Die Tularämie sollte möglichst frühzeitig erkannt und antibiotisch behandelt werden, empfiehlt das RKI, da sonst mit komplizierten und auch tödlichen Verläufen zu rechnen sei. Falls man jedoch das Pech hat, erst von einem Arzt zum anderen laufen zu müssen und dank der unspezifischen Symptomatik immer nur "Grippe" als Diagnose zu hören, dann wird wohl in den meisten Fällen nichts aus der frühzeitigen Diagnose und Behandlung. Vor diesem Hintergrund ist auch die Anzahl der gemeldeten Fälle zu betrachten: im Mittel zwischen 3 bis 5 Erkrankungen (RKI, Dez. 2005). 2005 erkrankten 27 Jäger und ein Treiber einer Hasenjagd. Für 2005 sah die Statistik somit schon mal anders aus.

Kommen wir zu den möglichen Symptomen:
  • Hautläsionen und Geschwüre an Körperstellen - je nach Erregereintrittsstelle
  • Lymphknotenschwellungen
  • Bindehautentzündung
  • Lungenentzündung
  • Rachenentzündung
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • fieberhafte Allgemeinsymptomatik
Die Diagnose bzw. der Erregernachweis muss - bei biologischen Kampfstoffen leicht nachvollziehbar - in Speziallaboratorien erfolgen. Zum Beispiel nennt das RKI als Konsiliarlabor für Tularämie das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr.

Diagnostik: Wie so oft: das klinische Bild ist entscheidend. Ein direkter Erregernachweis ist schwierig (Anzucht in Mäusen ist möglich). PCR oder Antigen-Nachweis oder serologisch durch Anstieg der spezifischen Antikörper wären weitere Möglichkeiten.

In den USA gibt es einen Lebendimpfstoff - er ist in Deutschland jedoch nicht verfügbar.

Therapie:
Kombinationen aus diversen Antibiotika wie z. B.
  • Streptomycin
  • Gentamicin
  • Doxycyclin
  • Ciprofloxacin
Weitere Informationen z. B. im Antibiotikamonitor: Epidemiologie, Klinik und mikrobiologische Diagnostik der Tularämie
siehe auch: Ein Jäger mit inguinaler Bubone -Tularämie nach Zeckenstich

Mittwoch, 16. September 2009

Serie: Typische Ko-Infektionen durch Zecken. Heute Teil 5: Bartonellen und - es sind nicht immer die Katzen schuld!

Nachdem ich - vermutlich durch den Schweinegrippe-Erreger - einige Tage komplett aus dem Verkehr gezogen war, möchte ich heute mit meiner kleinen Serie zu den Ko-Infektionen, die häufig neben Lyme-Borreliose, durch Zeckenstiche verursacht werden, fortfahren (sorry, ist ein langer Satz geworden).

Eine Infektion mit Bartonella henselae wird auch Katzenkratzkrankheit genannt, da als Vektor (Überträger) u. a. Katzen in Frage kommen. Erst spät entdeckte man, dass auch Zecken Bartonella henselae übertragen.

Die Bakteriengattung der Bartonellen wurde übrigens nach nach ihrem Entdecker, dem peruanischen Arzt und Mikrobiologen Alberto Barton (Bild - ) benannt. 1905 beschrieb er erstmals die später nach ihm benannten Bakterien als Erreger des Oroya-Fiebers, die bei Arbeitern an der Bahnstrecke Lima-La Oroya zu beobachten war.

Der US-Arzt Dr. Joseph J. Burrascano stellte fest, dass die durch Zecken übertragenen Infektionen mit Borrelien häufig durch sogenannte Ko-Infektionen mit weiteren durch die Zecke übertragenen Krankheitserregern einhergehen und der chronischen Erkrankung den Weg bereiten. Diese "Misch-Infektionen" sind nicht leicht zu diagnostizieren - schon gar nicht von Medizinern, die bei diffusen Beschwerden mit Fieber weder an Ehrlichiose noch an Babesiose denken und bei denen es auch nicht klingelt, wenn der Patient pustelartige oder knotige Hauterscheinungen oder punktweise Einblutungen aufweist, deren Ursache eine Bartonellen-Infektion sein kann. In den USA gehen Borreliose-erfahrene Mediziner inzwischen davon aus, dass bei der chronischen Borreliose Ko-Infektionen die Regel und nicht die Ausnahme sind (M.D. James Schaller) und vermutlich zur Chronifizierung der Borreliose entscheidend beitragen.

Im Bundesgesundheitsblatt, Online, Vol. 47, Nr. 5/ Mai 2004 ist zu lesen:
Burrascano nennt folgende Symptomatik bei Ko-Infektion mit Bartonellen:

  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • morgendliches Fieber - ggf. in Schüben
  • Lymphknotenschwellungen
  • Schwindel,
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • schmerzhafte Fußsohlen (besonders morgens)
  • subkutane Hautknoten an den Extremitäten
  • Wichtig! Keine oder geringe Gelenkschmerzen

Diagnostik*:
z. B. PCR auf Bartonellen im Vollblut (EDTA) als Direktnachweis oder
Antikörper auf Bartonella henselae-IgM und IgG als indirekter Nachweis/Verlaufskontrolle

Therapie*:
*(Quelle: Augsburger Borreliose Centrum)

Makrolide
Tetracycline
Gyrasehemmer wie Ciprofloxacin
Rifampicin
Cephalosporine
Chinolone

Bartonella henselae ist als Erreger der Katzenkratzkrankheit der wichtigste Vertreter der Bartonellengattung. 1950 gelang es dem französischen Arzt Robert Debré diese Krankheit zu beschreiben. Es vergingen jedoch noch mehr als 40 Jahre, bis man den Erreger identifizieren konnte. 1983 wiesen Wear et al. erstmals Bakterien in Lymphknoten bei einem Patienten mit Katzenkratzkrankheit nach.

Bartonellen gehören zur Gruppe der Rickettsien. Es sind über 20 Arten bekannt, von denen mindestens 8 humanpathogen sind. Eine neue Art von Bartonellen, die erst vor kurzem entdeckt wurde, soll sogar lebensbedrohlich sein.

Mehr über Bartonellen & Co. auch unter: Epidemiologie, Klinik und Diagnostik von Bartonella-Infektionen

Mittwoch, 9. September 2009

Die Serie geht weiter: Heute Teil 4 - Ehrlichiose beim Menschen

Wie bereits in einigen der älteren Posts beschrieben, können mit einem einzigen Zeckenstich sehr viele verschiedene Krankheitserreger übertragen werden - die Palette reicht von Babesien, Rickettsien über Tularämie-Erreger, Mikoplasmen, Bartonellen bis zu viralen Pathogenen. Eine sehr häufige Ko-Infektion ist die Ehrlichiose, die gerne mit der Borreliose Tandem fährt.

Grundsätzlich komplizieren Ko-Infektionen sowohl die Diagnose als auch die Behandlung!

Ehrlichien befallen die Monozyten/Makrophagen oder die Granulozyten und vermehren sich in den Zellen (man unterscheidet beim Menschen eine granulözytäre (HGE) und eine monozytäre Form (HME).

Typische Symptome sind u. a. : Anämie, Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Erschöpfung, Leber- und Nierenfunktionsstörungen. Ein Drittel der Patienten weist auch eine Lungenbeteiligung mit unproduktivem Husten und ggf. Atemnot auf. (Siehe auch: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 97, Heft 38, September 2000, Baumgarten, Röllinghoff, Bogdan)

Die Ehrlichiose gilt als eine der "neu aufgetretenen Infektionskrankheiten" ("emerging infectious diseases), was aber vermutlich daran liegen könnte, dass man diese Krankheit bisher nicht oder selten diagnostiziert, da man den Erreger nicht anzüchten und mikrobiologisch nachweisen kann. Und ähnlich wie bei der Lyme-Borreliose registrierte man erkrankte Menschen zunächst in den USA, bevor man mit Verspätung in Europa nach Ehrlichiosen zu suchen begann. Entsprechend dürftig sind die bislang verfügbaren epidemiologischen Daten. (Quelle: Kimmig, Hassler, Braun "Zecken - Kleiner Stich mit bösen Folgen)

In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts grassierte eine Erkrankung in afrikanischen Kuhherden, die man "Heartwater" nannte und tödliche Folgen für die Rinder hatte. Diese zeckenverseuchten Rinder wurden auch in die Karibik exportiert, wo es ebenfalls zu Erkrankungen kam. Da man fürchtete, die Seuche könnte auf das nordamerikanische Festland übergreifen, interessierten sich insbesondere amerikanische Forscher für diese seltsame Krankheit. 1899, so Dr. D. Hassler in seinem "Brennpunkt Infektiologie"-Handbuch (s.189), begann man mit Versuchen, die Krankheit auf zuvor gesunde Tiere zu übertragen, um zu zeigen, dass sie infektiös war. Zum Glück für die beteiligten Forscher gelang dieses Experiment und es erübrigten sich die sonst so beliebten Selbstversuche.

Tierärzte kennen die Ehrlichiose also schon lange. Nur die Humanmediziner glaubten lange, das hätte mit ihnen nichts zu tun. Bereits 1935 fanden Donatien und Lestoquard in den Monozyten der Versuchshunde kleine Rickettsien-ähnliche Organismen, die sie Rickettsia canis nannten. Die Hunde hatten schweres Fieber und litten an Panzytopenie. Im Laufe der Zeit fand man den Erreger des Zeckenbissfiebers (Rickettsia phagocytophila), eine Erkrankung bei Tieren die man seit über 200 Jahren kannte. Inzwischen kennt man verschiedene Ehrlichienstämme, die u. a. Ehrlichiose des Hundes, der Katzen und der Pferde auslösen können, aber eben auch den Menschen befallen. Die Erreger wurden übrigens Paul Ehrlich zu Ehren in Ehrlichien umbenannt.

Laut Dr. D. Hassler werden weltweit bei Borreliosepatienten zwischen 6 und 14 % serologische Hinweise auf eine gleichzeitige Ehrlichiose-Infektion gefunden. In einer Untersuchung in Deutschland waren 14 % von 150 untersuchten Waldarbeiter seropositiv. Im Jahr 2000 wurden in Baden-Württemberg durch das Landesgesundheitsamt 4000 Seren auf Antikörper gegen Ehrlichien untersucht. Die durchschnittliche Positivrate betrug 11 %. Zecken, die man in Bayern im Raum Erlangen untersuchte waren zu 2 - 3 % mit Ehrlichien infiziert.

Selten, aber durchaus möglich ist, dass man sich über Blutkonserven mit Ehrlichien ansteckt. Es wurden entsprechende Studien in den US-Bundesstaaten Wisconsin und Connecticut durchgeführt. Eines der Ergebnisse: Von 992 getesteten Blutspendern waren in Connecticut 35 (= 3,5 %) mit Ehrlichien infiziert.

Über das normale (maschinell ausgewertete) Differenzialblutbild kann der Arzt übrigens keine Ehrlichiose feststellen. Hierzu sind wesentlich aufwändigere Diagnoseverfahren notwendig. Erschwerend kommt hinzu, dass es wesentlich mehr Ehrlichienspezies gibt, als gegenwärtig Testverfahren. Letzten Endes bleibt die Ehrlichiose eine klinische Diagnose. Das setzt voraus, dass der Arzt eine Ehrlichiose kennt und auch in seine Differenzialdiagnostik einbezieht.

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Gestern: NDR-Sendung "Visite" mit einem "Borreliose-Experten"

Oh je... gestern abend war es mit der Gemütlichkeit schnell vorbei. "Borreliose" lautete das Thema der NDR-Sendung, doch was man sich dann von dem als "Experten" eingeladenen Professor Dr. med. anhören musste, war leider gar nicht lustig. Diese schlecht recherchierte Sendung verdient eindeutig die Bezeichnung "gezielte Volksverdummung".

Es wurden Aussagen getroffen, die vielen medizinischen Studienergebnissen widersprechen.


Achtung! Diese Sendung könnte ihre Gesundheit gefährden!

"Das häufigste Krankheitsbild, das im Zusammenhang mit der Lyme-Borreliose entsteht, ist die sogenannte Wanderröte", entfuhr es dem Professor. Und auf die Nachfrage der Redakteurin "Kommt sie (die Wanderröte) immer?", setzt er unverdrossen nach: "Nicht immer, aber in 80 % der Fälle."

Sollte der Herr Professor die Studienlage nicht kennen? Eine 2003 bundesweit durchgeführte Studie mit rund 4000 Patienten ergab, dass lediglich 50,9% eine Wanderröte aufzuweisen hatten. Nachzulesen in: "Epidemiology and therapy of Lyme arthritis and other manifestations of Lyme borreliosis in Germany: results of a nation-wide survey", veröffentlicht im Jahr 2003 in der Zeitschrift für Rheumatologie.

Die Krönung war die Aussage: "Die antibiotische Therapie, wenn sie leitliniengerecht durchgeführt wird, beseitigt den Erreger zuverlässig!"

Ei der Daus! Der Herr Professor weiß nicht, dass es in Deutschland keine einzige Lyme-Borreliose-Leitlinie gibt? Dem Herrn Professor ist nicht bekannt, dass die US-Leitlinie vom Justizministerium "kassiert" wurde? Welche Leitlinie meinte der "Experte" eigentlich?
Meine Frage im späteren Chat, welche Leitlinie gemeint sei, wurde denn auch prompt nicht beantwortet. Siehe auch hierzu meinen früheren Post zu den Untersuchungen des US-Justizministers in Connecticut.

Im Chat wurde weiterer Unsinn verbreitet. Auf die Frage einer an Borreliose erkrankten Schwangeren, ob die Borreliose ihre Schwangerschaft bzw. den Fötus gefährden könnte, verneinte er diese Möglichkeit. Und wieder scheint er die Studienlage nicht zu kennen: Bereits 1994 veröffentlichten Silver et al. in ihrer Studie "Fetal outcome in murine Lyme Disease", dass es sogar zum Tod von Föten kommen kann, wenn die Mutter mit Borreliose infiziert ist. Darüber hinaus infiziert die Mutter ungewollt ihren Fötus, siehe Studie "Maternal-fetal transmission of the Lyme Disease spirochete, Borrelia burgdorferi" von Schlesinger et al. , 1986. Selbst im Fachbuch "Gynäkologie und Geburtshilfe" könnte unser Professor nachlesen, dass es zur transplazentalen Infektion des Kindes kommen kann. Wenn das keine Schädigung des Kindes ist, was dann?

Halten wir fest: Diese Sendung war im Großen und Ganzen ausgemachter Blödsinn und sogar gefährlich. Denn sie leistet weiteren Missverständnissen im Bereich der Lyme-Borreliose Vorschub. Tausende Zuschauer lehnten sich nach dieser Sendung vermutlich entspannt zurück: Borreliose ist offenbar ganz harmlos und gut mit ein paar Wochen Antibiose zu heilen. Welch' ein Hohn!

Donnerstag, 3. September 2009

Zecken sind weltweit nach den Mücken die gefährlichsten Krankheitsüberträger

Stichwort: Emerging Diseases

Seit 1982 der Erreger Borrelia burgdorferi entdeckt wurde, der die Lyme-Borreliose verursacht, konnen 15 weitere durch Zecken übertragene bakterielle Pathogene entdeckt werden. Hierzu gehören u. a. 8 Rickettsienspezies, 3 Ehrlichienspezies sowie 4 Spezies des Borrelia burgdorferi-Komplex.

Im Artikel "Ticks and tickborne bacterial diseases in humans: an emerging infectious threat" werden die verschiedenen Aspekte der Biologie der Zecken und die durch Zecken verursachten Infektionen (Rickettsiosen, Ehrlichiosen, Lyme-Borreliose, Rückfallfieber, Tularämie, Q-Fieber) beleuchtet. Insbesondere die genannten Infektionen werden als "emerging diseases" betrachtet.

Anmerkung: Nach WHO-Definition versteht man unter einer "emerging disease" eine Erkrankung, die in einer Population das erste Mal auftritt oder die bereits vorhanden ist, sich nun aber zeitlich und räumlich stark ausbreitet. Interessant ist, dass diese Infektionskrankheiten zu 60 % Zoonosen sind (also vom Tier auf den Menschen übertragen wird).

Borreliose scheint eine in Europa seit langem existierende Infektion zu sein

Einige namhafte deutsche Forscher haben sich einer spannenden Frage angenommen. Sie untersuchten, ob sich der Erreger Borrelia burgdorferi während der vergangenen Jahrhunderte verändert hat. Im "Journal of infectious disease" veröffentlichten sie ihre Untersuchungsergebnisse, hier kann man die Zusammenfassung lesen.

Zunächst analysierten sie die DNA archivierter Schildzecken. Zecken-DNA kann auch nach nahezu einem Jahrhundert unter "Museumsbedingungen" noch vervielfältigt werden. Spirochäten-DNA wurde in sechs Zecken mit Hilfe der PCR entdeckt - konserviert seit einem Jahrhundert. Die älteste Zecke war 1884 gesammelt worden. Borrelia garinii, ein Erreger, der in "modernen" Zecken der Region häufig gefunden wird, konnte bei drei dieser älteren Zecken gefunden werden; die gegenwärtig eher seltener anzutreffende Borrelia burgdorferi sensu stricto infizierte zwei. Diese Daten zeigen, dass Europäer den Lyme-Borreliose verursachenden Spirochäten seit mindestens 1884 ausgesetzt sind; was auch mit der ältesten Aufzeichnung einer menschlichen Infektion übereinstimmt.